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Die Nacht der Vampirfilme

"Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens" - live vertont von der Sinfonietta da Camera Salzburg. Anschließend: Filmprogramm kuratiert von Markus Keuschnigg (FM4)

ARGE film Festival "Angst Macht dumm!"

„Angst Macht dumm!“
12.-22.11.09

Festivalprogramm

Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens

live vertont von der Sinfonietta da Camera Salzburg

Der Film

Der Stummfilm erzählt die allgemein bekannte Geschichte des Grafen Dracula aus der Sicht des Stadtschreibers von Wisborg. Dass der Name „Dracula“ nie auftaucht, ist darin begründet, dass der Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau die Rechte an Bram Stokers Roman nicht bekam. Also benannte er den Vampir einfach in „Graf Orlok“ um, veränderte die Geschichte leicht und drehte seinen Film ohne Erlaubnis von Bram Stokers Erben. Obwohl Bram Stokers Witwe 1924 vor einem Berliner Gericht die endgültige Vernichtung aller Negative und Positive von „Nosferatu“ gerichtlich erwirkte, konnten einige Kopien auf abenteuerliche Weise gerettet werden, und so existiert der Film heute in verschiedenen Versionen.

Die Musik

Hans Erdmann (1887 – 1942) komponierte 1921 die Musik zum Film, nachdem er gerade zum künstlerischen Leiter der eben erst gegründeten „Prana“ Filmgesellschaft ernannt worden war. Erdmann, der in Breslau Violine, Musiktheorie und Komposition studiert hatte, war bereits während seines Studiums als Konzertmeister am Schauspielhaus Breslau und als Korrepetitor am Breslauer Stadttheater tätig. Der Erste Weltkrieg unterbrach Erdmanns berufliche Laufbahn (er wurde zum Kriegsdienst eingezogen), doch 1918/19 setzte er sie am Stadttheater Jena fort, wo er Direktor der Kammerspiele war und zudem der erste Kapellmeister. Spätestens ab 1926, als er die Redaktion der Zeitschrift Film- Ton – Kunst übernahm, widmete er sich gezielt der Filmmusik. 1927 veröffentlichte er gemeinsam mit Giuseppe Beece das „Allgemeine Handbuch der Filmmusik“. Zudem war Hans Erdmann Gründungsmitglied der „Gesellschaft der Filmmusik-Autoren“ (GEFIMA). 1933 wurden die Aktivitäten Erdmanns und seiner Kollegen insofern massiv in die Schranken gewiesen bzw. weitestgehend unterbunden, als man die GEFIMA wie viele andere Verbandsorganisationen in der Form, in der sie bestanden hatten, auflöste und ihre Vorstände mit Mitgliedern der NSDAP besetzte. Nach diesem Zeitpunkt sind bedauerlicherweise keine weiteren biografischen Daten zu Hans Erdmann vorhanden.

Peter WesenAuers Rekonstruktion der Partitur

Die Produktionsfirma „Prana Filme“ hatte es verabsäumt, eine Urheberrechtslizenz für den Gebrauch des englischen Romans „Dracula“ von Bram Stoker zu beantragen oder zu erwerben. Die Witwe des Autors brachte erfolgreich Klage wegen Urheberrechtsverletzung ein und erkämpfte statt eines Entschädigungsgeldes das Recht, die Negative und sämtliche Kopien des Filmes zerstören zu lassen. Zwar blieben einige Kopien dennoch erhalten, die Originalmusik, die gerade zum anfänglichen Erfolg des Filmes einen wesentlichen Beitrag geleistet hatte, war jedoch abhanden gekommen. Lediglich Erdmanns Skizzen zu „Nosferatu“, „Fantastisch Romantische Suiten“ und schließlich sein „Allgemeines Handbuch der Filmmusik“ wurden vom Verlag „Bote & Bock“ vor der Vernichtung gerettet. Aus all diesen Notizen und Skizzen konnten Peter WesenAuer und Gillian Anderson in 10-jähriger mühevoller Arbeit die Originalmusik rekonstruieren. Im Gegensatz zu anderen Projekten wird weder auf Fremdquellen zurückgegriffen noch werden bisher fehlende Passagen durch andere Filmkompositionen oder klassische Literatur ersetzt. Die vorliegende Filmmusik ist durch und durch „Erdmann“.

Das Orchester

Die 2002 gegründete Sinfonietta da Camera Salzburg ist ein junges Orchester, das sich aus Musikerinnen und Musikern aus Salzburg zusammensetzt. Es hat sich vor allem der Musik W. A. Mozarts und Komponisten seiner Zeit verschrieben. Aber auch Werke aller anderen Epochen sind in den Programmen des Orchesters zu finden. Mit Opern- und Operettenproduktionen ist die Sinfonietta da Camera Salzburg nicht nur im Konzertbetrieb, sondern auch im Musiktheater erfolgreich tätig. Seit 2006 ist die Sinfonietta da Camera Salzburg Orchestra in residence beim Salzkammergut Mozartfestival. Künstlerischer Leiter des Orchesters ist der Dirigent Peter WesenAuer, der durch seine Zusammenarbeit mit vielen nationalen und internationalen Orchestern wertvolle Erfahrung als Dirigent sammeln konnte und das Orchester regelmäßig zu Tourneen ins Ausland begleitet.

  • Regie Friedrich Murnau
  • Musik Hans Erdmann
  • Rekonstruktion der Partitur Peter WesenAuer
  • Orchester Sinfonietta da Camera Salzburg
  • Dirigent Peter WesenAuer

Anschließend Vampirische Gustostückerl bis zur Morgendämmerung. Filmprogramm kuratiert von Markus Keuschnigg.

Der Kurator

Markus Keuschnigg: Geboren 1981. Studium der Publizistik, Theaterwissenschaft und Politikwissenschaft. Arbeitet als freier Filmkritiker u.a. für die Tageszeitung „Die Presse“ und „FM4“. Leiter des Filmressorts der Zeitschrift „thegap“. Weiters Kurator der Programmschiene „Nachtsicht“ (europäisches Horrorgenrekino) des Linzer Filmfestivals „Crossing Europe“. Lebt mit seinen zwei Katzen und seinem Freund in einer Wohnung in Wien.

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