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Salzburger Bettlerposen
Foto (c) Joachim Bergauer
ARGE produktion — Ein Gemeinschaftsprojekt von ARGEkultur, Straßenzeitung Apropos, Friedensbüro Salzburg.

Salzburger Bettelposen

Ausstellung im Rahmen der Tagung „Betteln. Eine Herausforderung“ vom 12.-14.05. in St. Virgil. Im Winter in der ARGEkultur

produced by ARGEkultur

Dieses Fotoprojekt versucht auf einer künstlerisch-ästhetischer Ebene den emotional geführten Diskurs um Betteln im öffentlichen Raum eine neue Perspektive zu geben. Der Fokus liegt dabei nicht auf den Motiven und den Strukturen des tatsächlichen Bettelns auf den Straßen Salzburgs, sondern auf den vorgefertigten Bildern und Meinungen, die wir als PassantInnen diesen BittstellerInnen zuordnen.
Wenn Aussehen und Haltung der BettlerInnen sich verändern, wird auch das Betteln gänzlich neu wahrgenommen. Wohlstands- und Identitätsmerkmale spielen gerade in einer sehr wohlhabenden Kleinstadt wie Salzburg eine wichtige Rolle. Armut und Ungleichheit sind nur selten so deutlich sichtbar wie durch die BettlerInnen. Die Fotoserie thematisiert das jeweilige Lebensumfeld, die physische und psychische Haltung des Bittstellens auf offener Straße, und die Emotionen, welche diese Haltungen auslösen können.

Konzeption: Markus Grüner-Musil
Fotos: Joachim Bergauer

„Hinschauen tut nicht weh“

Titelinterview von Michaela Gründler, Chefredakteurin des Apropos, mit Markus Grüner-Musil, Künstlerischer Leiter der ARGEkultur.
Erschienen im Apropos, Ausgabe Mai 2014 (Download als PDF).

Wenn es um Bettler geht, hat jeder Mensch sofort ein Gefühl dazu. Meist kein angenehmes. Denn sie erinnern uns daran, dass es uns besser geht als ihnen. Das Fotoprojekt "Salzburger Bettelposen" will auf ästhetische Weise auf unbewusste Bilder im Kopf aufmerksam machen und im Idealfall die Wahrnehmung ver-rücken. Markus Grüner-Musil, künstlerischer Leiter der ARGEkultur und Bettelposen-Initiator, erzählt im Apropos-Interview von sichtbaren und unsichtbaren Bittstellern, kriminellen Bankern und willkommenen Sündenböcken.

Michaela Gründler: Was bedeutet für Sie Betteln?

Markus Grüner-Musil: Zu erbitten, was man nicht hat und was man braucht.

Michaela Gründler: Haben Sie schon jemals gebettelt?

Markus Grüner-Musil: Nicht im klassischen Sinne, also nicht aus Not. Ich habe mich früher einmal aus einem Freiheitsgefühl heraus mit Straßenmusik und Akrobatik im öffentlichen Raum ausprobiert. Allerdings nicht in Salzburg, sondern im Urlaub am Meer. In Salzburg fällt es stärker auf, wenn Menschen, die anders sind, im öffentlichen Raum sichtbar werden, weil es durch seine stimmige, architektonische Fassade ein starkes, inneres System bildet. Unlängst stand in einem Leserbrief, Bettler würden das Stadtbild zerstören und die touristische Attraktivität Salzburgs mindern. Da ist in mir ein starkes Bedürfnis entstanden, eine künstlerische Aktion gegen eine solche Wahrnehmung zu machen.

Salzburger Bettlerposen

Michaela Gründler: War das der Moment, in dem Ihnen die Idee zu den "Salzburger Bettelposen" gekommen ist?

Markus Grüner-Musil: Nein. Ich hatte schon länger die Idee, dieses Um-etwas-bitten-zu-müssen im öffentlichen Raum künstlerisch zu thematisieren. Bei den "Salzburger Bettelposen" geht es mir vor allem um die Frage: "Wie werden Menschen, die betteln, wahrgenommen und welche Möglichkeiten gibt es, diese Perspektiven zu verrücken?" Mir geht es bei dem Projekt darum, andere bewusstseinsbildende Perspektiven auf das Thema Betteln zu bekommen, die eigenen Stereotype und Verhaltensmuster zu hinterfragen, die Verhältnismäßigkeiten zu anderen Dingen aufzuzeigen und auch um die heuchlerische Dualität einer Wohlstandsgesellschaft, die Armut nicht ertragen kann. Es gibt wenig gelebte Kultur, solidarisch zu reagieren.

Michaela Gründler: Eine junge, schöne Frau im Ballkleid steht barfuß vor dem Salzburger Dom und hält ihre Hand auf. Das Bild ist Teil des Gemeinschaftsprojektes "Salzburger Bettelposen" der AR GEkultur, des Friedensbüros Salzburgs, des Fotografen Joachim Bergauer und der Straßenzeitung Apropos – und polarisiert bereits im Internet. Die Wortmeldungen gehen von "Ist das euer Ernst" über "grandios" bis hin zu "Seid ihr durchgedreht?". Ist Provokation Teil des Konzepts?

Markus Grüner-Musil: Für mich ist es keine Provokation, aber offensichtlich für einige Menschen. Wenn ein Trachtenpärchen bettelt oder jemand, der im Anzug oder im Abendkleid ist, eine Bettelgeste einnimmt, ist das einfach befremdlich in der Rolle. Es war erstaunlich, dass während des Fotoshootings kaum Provokation spürbar war, im Gegenteil. Dort, wo wir die Models in Kostüme wie Dirndl, Abendkleid oder Anzug gesteckt haben, ernteten wir vielfach ein freundliches Lächeln im Sinne von "Mei, sind die fesch!". Die Touristen haben bei dem Trachtenpärchen-Shooting im Mirabellgarten sogar ihre Handys gezückt, um Fotos von uns zu machen. In dem Moment, wo die kostümierten Rollen eindeutig sind, transformiert sich die Wahrnehmung komplett.

Salzburger Bettlerposen

Michaela Gründler: Also kein Lustigmachen über Menschen, denen es ohnedies schon schlecht geht?

Markus Grüner-Musil: In dem Projekt wollen wir uns in keinster Weise über Menschen lustig machen, die den Tag auf der Straße verbringen müssen. Ganz im Gegenteil: Uns geht es nicht darum, bettelnde Menschen zu karikieren, sondern Wahrnehmungsfragen zu thematisieren. In Salzburg wird ja gar nicht darüber diskutiert, welche Geschichten hinter den Menschen stehen. In Wirklichkeit hat das Thema aktuell sehr viel mit Ausländerfeindlichkeit zu tun. Da werden Menschen am Rande der Gesellschaft für Dinge, die schieflaufen, als Sündenböcke verantwortlich gemacht. In Salzburg hat sich diese Diskussion im letzten Wahlkampf nochmals zugespitzt, wodurch vielfach das Gefühl entstanden ist, es wäre eines der großen Probleme der Stadt. Wenn man jedoch in Freiburg oder in Stuttgart in der Fußgängerzone ist, sieht man deutlich, dass dies ein europäisches Thema und ein europäisches Problem ist. Dementsprechend wird auch nur eine europäische Behandlung sinnvoll sein. In gewissen Arealen einer Kleinstadt das Betteln zu verbieten, verlagert ja nur das Problem in andere Orte innerhalb der Stadt. Das ist ja eine reine ästhetische, kosmetische Maßnahme und keine gesellschaftspolitische.

Michaela Gründler: Sie sehen Betteln sehr politisch ...

Markus Grüner-Musil: Viele Länder profitieren von den Wirtschaftsstrukturen in Osteuropa, auch wir: Neue Absatzmärkte, billige Produktionsstandorte ... Dann muss man aber auch akzeptieren, dass aufgrund der sozialen Ungerechtigkeit und der Armut Menschen auch bis an unsere Grenzen kommen. Die Einwohner von Lampedusa oder von Sizilien würden uns wahrscheinlich mit einem entspannten Lächeln entgegentreten, wenn sie bei uns über den Makartsteg gehen und die Bettler sehen. Die würden sagen: "Hier bei euch ist es ja nett. Wir hatten unlängst soundso viel Leichen in unserem Gemeindehaus aufgebahrt." Die haben das Problem, dass sie direkt an der europäischen Grenze sind – und spüren das globale Problem deutlich. Wir hingegen sind halt zufälligerweise irgendwo im geographischen Mittelpunkt. Wir haben kein Meer rundherum, nur lauter nette, wirtschaftlich florierende Staaten – und dann wirkt unsere Reaktion gegenüber Bettlern kleinlich, überzogen und unverhältnismäßig. Schließlich geben wir diesem Staat unter anderem auch Geld, um Probleme und soziale Ungerechtigkeiten so weit wie möglich auszugleichen. Warum muss es also Menschen geben, die von neun Uhr morgens bis sechs Uhr abends am Makartsteg sitzen? In Wirklichkeit stört mich nicht die Tatsache, dass das Stadtbild durch arme Menschen beeinträchtigt wird, in Wirklichkeit stört mich die Tatsache, dass es noch immer Menschen gibt, die das machen müssen. Durch das Betteln wird dieses Missverhältnis in einer Weise sichtbar, die vielleicht unangenehm ist – das wollen viele Leute nicht sehen.

Salzburger Bettlerposen

Michaela Gründler: Warum lassen uns Menschen, die betteln, nicht kalt?

Markus Grüner-Musil: In der Kunstgeschichte taucht die Bettlerfigur ganz oft auf und hat irgendetwas Unschuldiges an sich: Da ist jemand, dem aus Ungerechtigkeit irgendein Unglück zugestoßen ist und der dementsprechend weniger überlebensfähig in der Gesellschaft ist als andere. Was den Menschen da traditionell für ein Gefühl entgegenkommt, ist: "Ha, hab ich Glück gehabt, Gott sei Dank bin das nicht ich, der da unten sitzt!" Es ist das Gefühl, dass das Leben etwas Schicksalhaftes hat und ich im Gegensatz zum Bettler auf die Butterseite geflogen bin. Das löst bei vielen ein unangenehmes Gefühl aus, weil es einfach zeigt: Das Leben ist ungerecht. Und es kommt noch die Ebene der Verdrängung hinzu, die sich in Arroganz äußert: "Ich will einen schönen Tag verbringen, nett in der Stadt herumspazieren, warum muss ich diese armen Menschen sehen, die mir ihre Hände entgegenstrecken?" Es ist das Gefühl, in meiner heilen Welt gestört zu sein von etwas, das hässlich ist. Dieses Schön und Hässlich war auch eines der Motive im Fotoprojekt, mit dem Stereotyp zu spielen: Was, wenn die Menschen, die betteln, nicht alt und hässlich sind, sondern jung und schön? Wie verändert sich die Einstellung zu dem, was ich da sehe? Vielleicht ist es dann nicht mehr das Optische, das mich stört, weil das ja sehr hübsche und ansehnliche Menschen sind, sondern dann ist es nur mehr die Geste. Und die spannende Frage dabei ist dann eigentlich: Stört mich die Geste oder stört mich die Tatsache, dass mich jemand um etwas bittet, den ich nicht sehen will, weil er mich an so viel Verdrängtes erinnert?

Michaela Gründler: Was haben Sie in der Vorbereitung zu den "Bettelposen" festgestellt?

Markus Grüner-Musil: Wer bettelt, exponiert sich körperlich. Als Bettler hat man nur kurz Zeit, um Passanten zu motivieren, einem Geld zu geben. Wir haben im Vorfeld des Projektes beobachtet, welcher Bettler an welchen Positionen ist und wie die Passanten reagieren: Wer sucht den Blickkontakt, wer geht schweigend vorbei, wer senkt den Blick nach unten oder macht einen großen Bogen um ihn herum? Manche Bettler sind immer an der gleichen Position und versuchen durch ihre Beständigkeit eine Art Vertrauen herzustellen. Sie versuchen ganz normal, mit unterschiedlichsten Strategien, das kurze Zeitfenster von 15 Sekunden, die der Passant braucht, um an ihm vorbeizugehen, zu nutzen, dass er ihm Geld gibt. Das ist nicht viel Zeit.

Michaela Gründler: Wie ist es den jungen Models ergangen?

Markus Grüner-Musil: In den Kostümen gut, da ernteten sie vielfach bewundernde Blicke. Sehr unangenehm war für sie, in Alltagkleidung auf der Straße zu knien und die verächtlichen Blicke zu spüren. Zudem waren einige Posen von der Körperhaltung her sehr anstrengend. Diese Kombination von körperlicher Anstrengung und dem Aushalten von Verachtung war für sie nicht immer einfach zu ertragen.

Michaela Gründler: Was ist in der Serie Ihr Lieblingsbild?

Markus Grüner-Musil: Der traurige Bankier. Der geläuterte Uli Hoeness.

Michaela Gründler: Warum?

Markus Grüner-Musil: Wenn mich jemand fragt, was für mich organisierte Kriminalität ist, dann denke ich nicht an das derzeit so gerne verwendete mediale Konstrukt "Bettelmafia", sondern an Bankenstrukturen. Ein organisierter Krimineller ist für mich ein Manager von Nestlé oder ein Bankenvorstand und nicht der rumänische Bettler, der 4,50 Euro pro Tag einnimmt. Denn: Wie viel Schaden haben die Bettler real in der Gesellschaft angerichtet und wie viel Schaden die Banker der Hypo? Daher gefiel mir die Idee gut, bei den Salzburger Bettelposen einen Bankier zu inszenieren, der vor lauter Gier nach Dienstschluss betteln geht nach dem Motto: "Toll, bis 17 Uhr habe ich schon ordentlich viel Geld verdient, aber ich lechze nach jedem Euro mehr. Ich habe noch nicht genug." Noch mehr spricht mich allerdings gefühlsmäßig der gut angezogene Banker mit dem traurigen Blick an, weil dieser eine weitere Tragik enthält. In Japan ziehen sich Obdachlose, die in Kartonhäusern leben, täglich den Anzug an, um ihre Armut zu verdecken.

Salzburger Bettlerposen

Michaela Gründler: Was macht einen Menschen zum Bittsteller?

Markus Grüner-Musil: Not und Unglück – und daraus resultierend ein wenig ausgeprägtes Selbstwertgefühl. Es ist nicht leicht, eine Bittstellerposition auszuhalten. Man ist als Bettler sehr exponiert, weil man öffentlich und sichtbar im öffentlichen Raum ist. Ich wünsche mir, dass die Menschen durch ihre gekrümmten, unterwürfigen Bettel-Positionen ihren Stolz nicht verlieren. Sie sind ohnedies schon Menschen zweiter Klasse, weil sei betteln. Aber: Kein Mensch kommt als Bettler auf die Welt, sondern er wird zum Bettler.

Michaela Gründler: Und umgekehrt? Wann wird ein Bittsteller wieder zum Menschen auf Augenhöhe?

Markus Grüner-Musil: Nur weil ich ein Bittsteller bin, bin ich dennoch ein vollwertiger Mensch! Was wir mit der Fotoserie thematisieren, ist materielles Bittstellertum, das ja nur ein Aspekt des Bittens ist. Es gibt noch viele andere Dinge, um die man bittet. Jeder Mensch ist sehr regelmäßig und sehr oft Bittsteller – man wäre im Leben, in seinem Freundes- und Familienkreis, in der Arbeit nicht lebensfähig, wenn man nicht in der Lage wäre, seine Bitten zu formulieren und umgekehrt die Bitten seiner Umwelt wahrzunehmen und darauf auch einzugehen. Sonst geht sich das gemeinsame Zusammenleben nicht aus. Von dem her ist diese Arroganz, dass man dem Bittsteller, der da auf der Straße sitzt, manchmal eine solche Verachtung entgegenschleudert, einfach nur daneben.

Michaela Gründler: Wer kein Geld hat, ist weniger wert ...

Markus Grüner-Musil: Es gibt zahllose Menschen, die in unserer Gesellschaft unsichtbare Bittsteller sind: Menschen, die arbeitslos sind, Menschen, die dringend eine Wohnung suchen, sich diese bei den derzeitigen Wohnungspreisen aber nicht leisten können – sie alle genießen weniger gesellschaftliche Anerkennung und befinden sich auf einmal in einer Bittstellerhaltung bei öffentlichen Ämtern oder bei Immobilienmaklern. Diese Bittstellerposition kommt in der Gesellschaft viel öfter vor, von der zwischenmenschlichen Ebene des Bittens gar nicht zu sprechen. Ich sehe das sehr kritisch, dass man bei diesen essentiellen Dingen des Lebens und des Überlebens in einer Bittstellerposition ist, das hat auch etwas Demütigendes.

Salzburger Bettlerposen

Michaela Gründler: Wann geben Sie Geld?

Markus Grüner-Musil: Ich erlebe es nicht so, dass ich aufgrund der Tatsache, dass da jemand sitzt, automatisch Geld geben muss. Das ist eine freie Entscheidung, die ich eigentlich sehr unreflektiert treffe. Manchmal gebe ich Geld, reflexhaft, ohne Routine oder ohne Schema. Für mich ist es dabei völlig egal, ob es sich dann um einen Straßenmusikanten oder einen Bettler handelt. Ich versuche, immer wertschätzend zu sein und dieses peinliche Wegschauen zu verhindern. Denn wenn ich mich schon entscheide, ihm nichts zu geben, dann muss ich ihm auch dabei in die Augen schauen können. Das ist zwar unangenehm, aber das muss ich aushalten.

Michaela Gründler: Wann sind die Salzburger Bettelposen für Sie erfolgreich?

Markus Grüner-Musil: Der Begriff Erfolg ist in dem Zusammenhang sehr schwierig. Für mich gelten die Kategorien von sinnvoll bis notwendig. Bei diesem Fotoprojekt geht es um die Frage: Welche emotionale Kraft hat ein Bild? Welches Thema zeigt sich in einer überspitzten, eindeutigen Form? Ein Erfolg wäre es nur dann, wenn es ein solch gerechtes System geben würde, dass es keine Bettler gäbe. Für uns in der ARGEkultur ist Kunst und Kultur kein Selbstzweck, sondern stellt einen Teil des gesellschaftlichen Mehrwertes dar. Wir müssen uns immer überlegen: Löst das, was wir tun, Emotionen oder einen Diskurs aus?

Salzburger Bettlerposen

Michaela Gründler: Sie haben eine viereinhalbjährige Tochter. Was möchten Sie ihr im Umgang mit Bettlern und Bettlerinnen vermitteln?

Markus Grüner-Musil: Kinder gehen allgemein anders mit Bettlern um als Erwachsene und haben einen freundlichen und offenen Blick auf diese. Es sind dann die Eltern, die sagen: "Komm, gehen wir weiter!" Auch meine Tochter hat mich auf Bettler angesprochen und mich gefragt, warum der da sitzt und bettelt. Kinder sehen einfach nur den Menschen, der unglücklich dreinschaut, dem es offensichtlich nicht gut geht, und denken nicht so wie wir an einen sozialpolitischen Kontext. Ich möchte ihr vermitteln, dass es Ausdrucksform einer sozialen Haltung ist, sich mit der Notlage von anderen auseinanderzusetzen und auch Geld zu geben. Schwierig wird es für uns Erwachsene, wenn Kinder noch eine andere Dimension ins Spiel bringen, nämlich: "Ja, wenn es dem schlecht geht, dann nehmen wir ihn doch mit nach Hause!" Da zu erklären, warum man den nicht an der Hand packt und sagt: "Komm, du wohnst die nächsten drei Wochen bei uns", ist schwierig. Die Frage ist aber grundsätzlich ganz richtig.

Salzburger Bettlerposen

„Rose für Menschenrechte“ für „Salzburger Bettelposen“

31 Salzburger NGOs, die sich für einen würdevollen Umgang mit ArmutsmigrantInnen einsetzen, wurden am 10. Dezember 2014 in der TriBüne Lehen mit der „Rose für Menschenrechte“ ausgezeichnet. Verliehen wird „Die Rose“ jedes Jahr von der Plattform für Menschenrechte für außerordentliche Verdienste für die Aufrechterhaltung und Verteidigung von Grund- und Menschenrechten. Die ausgezeichneten Organisationen engagieren sich für ein Klima des Respektes mit Menschen aus südosteuropäischen Ländern, die auf der Suche nach einer Perspektive oder Überlebensmöglichkeiten für sich und ihre Familien nach Salzburg kommen. Viele der Organisationen beteiligen sich am Aufbau einer Basisversorgung für diese Menschen. Mit der Verleihung der „Rose für Menschenrechte" soll dieses zivilgesellschaftliche Engagement, das sich in den vergangen Jahren in Salzburg entwickelt hat, sichtbar gemacht werden.

www.menschenrechte-salzburg.at

Ausstellung

Die Ausstellung "Salzburger Bettelposen" wird erstmals im Rahmen der Tagung "Betteln. Eine Herausforderung" vom 12.-14.05. in St. Virgil gezeigt und zu einem späteren Zeitpunkt im Foyer der ARGEkultur und an der Universität Salzburg. Als virtuelle Ausstellung zieht sie sich in der Apropos-Ausgabe über den gesamten Schwerpunkt.
www.virgil.at/betteln

Fotograf Joachim Bergauer

"'Die Salzburger Bettelposen' sind Bilder vom schönen Betteln. Als Betrachter werde ich mit Menschen konfrontiert, die anmutig sind, keine körperliche Gebrechen haben und wie aus der Werbung wirken. Das geht nicht konform mit der Realität von Bettlern, denen es nicht gut geht. Sobald diese Irritation ausgelöst wird, funktioniert der Mechanismus, weil man sich fragt: 'Was steckt dahinter?' So lassen sich im besten Fall Wahrnehmungen verändern."
Joachim Bergauer ist spezialisiert auf Image-, Werbe- und Kunstfotografie und Inhaber einer Werbeagentur. Er wird von Magazinen wie der New York Times, Spiegel, Profil im In- und Ausland gebucht und hat zahlreiche Auszeichnungen gewonnen. www.bergauer.cc

Making of

Filmemacher Lorenz Migsch hat das Shooting der Salzburger Bettelposen begleitet und ein "Making of" gedreht.

DarstellerInnen

Maria Pilmaiquen Jenny, Claire Lefèvre, Mzamo Nondlwana, Balazs Posgay.

Ein Gemeinschaftsprojekt von ARGEkultur, Straßenzeitung Apropos, Friedensbüro Salzburg.

Presse