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Presse | Robert Innerhofer, Fritz, 18.11.2006

Die gewobene Hand Gottes

Über die Rock-Predigten eines Outlaws: David Eugene Edwards und seine Band Woven Hand begeisterten in der ARGEkultur. Auf die Knie.

David Eugene Edwards gilt im Rockzirkus als Ausnahmeerscheinung. Mit seiner früheren Band, Sixteen Horsepower, galoppierte der heute 38-jährige von 1992 bis 2005 und hinterließ 6 Alben voll von uramerikanisch geprägtem, harten Western-Rock für das Hier und Heute. Alternative Country ist wohl die korrekte Bezeichnung dafür. In den letzten Jahren des Bandbestehens arbeitete Edwards jedoch bereits parallel an einem anderen Projekt: Woven Hand - das war Edwards im Alleingang.

Der durchaus druckvoll nach vorne peitschende Rock'n'Roll von 16 HP (das 2002 erschienene ruhige und düstere "Folklore" sei hier als Ausnahme erwähnt) wich einer feiner konzipierten, doch dicht gesponnenen, musikalischen Ausdrucksform. Inhaltlich, also lyrisch aber blieb seine tiefe Religiosität und der damit verbundene mögliche Absturz ins Höllenfeuer zentrales Thema. Bei der ersten Veröffentlichung von Woven Hand aber hatte David Eugene Edwards noch die Kraft der Liebe im Visier.

Das selbstbetitelte Debüt (2002) war ein für Edwards' Verhältnisse leichtfüßiges, größtenteils akustisches Album, welches in einer alternativen Version als Soundtrack für "Blush", einer Tanzperformance des belgischen Choreographen Vim Vandekeybus, vertont wurde. (Vandekeybus' großartige Tanzstücke "Blush" und "Puur" - auch dafür schrieb Edwards zum Teil die Musik - wurden übrigens 2004 bzw. 2005 im Rahmen der Sommerszene in Salzburg von seiner Kompanie, Ultima Vez, aufgeführt.)

"Consider The Birds" (2004) war danach um einiges dunkler und verzweifelter ausgefallen als sein Vorgänger. Keine Heilung, wenig Hoffnung. Die Schattenseiten der menschlichen Existenz, die eigenen Unzulänglichkeiten sowie das Hadern mit den Abgründen der menschlichen Seele bestimmen die Songs von Edwards. Und auch das heuer erschienene Album "Mosaic" schlägt in diese Kerbe, und zwar heftig. Lyrisch noch gottesfürchtiger, musikalisch noch düsterer, wird der im Studio fragil gewobene Sound live allerdings in ein flammendes Rockmeer verwandelt.

Davon konnte man sich am Donnerstagabend in der Arge Nonntal selbst überzeugen. Mit "Winter Shaker" von "Mosaic" wurde losgeprescht, wurde losgepredigt:

"The circle is vicious
Spoken behind the hand
It is the storm
That brought me in
Hallelujah
Hallelujah"

David Eugene Edwards beschwörte und flehte, er zischte und fauchte mit seiner verwegenen Stimme, hielt seine geschwollenen Augen die meiste Zeit geschlossen, um sie dann plötzlich aufzureißen als sehe er Dämonen und Engel miteinander ringen. Der "große Blonde" feuerte seine Rockpredigt mit voller Inbrunst und Überzeugung auf seine Jüngerschar ab und versetzte diese somit in eine wahrlich irdische Ekstase. Übrigens ist die Popularität des Amerikaners und seiner Mannen in Europa um Einiges größer als in den U.S.A.

Neben Edwards rockte zum einen ein alter 16 HP-Weggefährte: Der gebürtige Franzose, Pascal Humbert, hat seinen Platz am Bass an der Seite von David Eugene Edwards seit kurzem wieder eingenommen - beim letztjährigen Konzert von Woven Hand im Rockhouse hatte Edwards noch ohne Bassisten gespielt. Zum anderen ist es der junge, belgische Gitarrist, Peter van Laerhoven, der die "Woven Hand-Live-Band" mit seiner bluesinspirierten, doch in seiner Dringlichkeit absolut heutigen Gitarrenperformance zu einem Erlebnis der besonderen Art macht. Beim Gig vor einem Jahr hatte Peter van Laerhofen - mit der damals äußerst basslastigen Gitarrenarbeit - auch für die tiefen Töne Sorge getragen. Und das volle Fundament, der Schlagzeugsound von Ordy Garrison soll hier ebenfalls nicht unerwähnt bleiben - dieser ist auch als Einziger bislang auf einem Woven Hand-Album zu hören.

Gemeinsam schufen sie die akustische Feuersbrunst in deren Mitte David Eugene Edwards Stück für Stück, Zeile für Zeile durchlitt. Sitzend, auf einem kleinen Drehstuhl, in sich selbst gekehrt, wurde der Konflikt zwischen irdischer Rache und göttlicher Gnade als monumentaler Todescountry vorgetragen. Zwischen den Songs herrschte dabei teilweise eine gespenstische Ruhe, die diesmal sogar mit ein paar "Thank Yous" von Edwards "aufgelockert" wurde. Überhaupt schien es dem Musiker in Salzburg zu gefallen. So wurden zum Schluss gleich mehrere Solo-Zugaben, unter anderem auch am Banjo, angestimmt. Darunter auch "Chest Of Drawers":

"Go into the Lords house
Go in a mile
The world will bow
The knees will be broken
... for those who don't know how"

David Eugene Edwards verrät uns weiter nichts Neues. Seine Klagelieder sind voll von biblischen Bildern in denen Gottes Atem am längsten währt und niemand ihm entkommt. Natürlich ist es schwer einer derart überzeugten Glaubensbekundung hundertprozentig folgen zu können. Das Publikum in der Arge-Kultur aber hat sich darauf eingelassen und erhielt so eine Ahnung davon, wie sich der unbeirrbare Glaube eines Einzelnen verbreiten lassen kann.

Die Entwicklung von Sixteen Horsepower zu Woven Hand und die damit verbundene Einzementierung der Inhalte scheinen abgeschlossen. Die Frage, die sich bei aller Großartigkeit nun stellt, ist, wohin der Weg des David Eugene Edwards jetzt führen kann, um nicht in Stagnation zu erstarren. Es bleibt also spannend, diesem Meister seines Fachs sowie der erstklassigen Band an seiner Seite weiter zu folgen. Amen.

© Robert Innerhofer, Fritz