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Presse • 22.04.2010 • Bernhard Flieher, Salzburger Nachrichten

Depressionen unter der Discokugel

Die Sterne tanzen mit "tausend Leichen in der Stadt der Reichen"

Über allem dreht sich eine Glitzerkugel. Und den Platz darunter beschallt die Hamburger Band Die Sterne. Und so wird aus dem Tanzboden ein Denkraum. Auf ihrem aktuellen Album "24/7" führen Die Sterne eine Tendenz zu ihrem vorläufigen Höhepunkt, die sie, bei aller Gedankenschwere im Wort, immer schon von anderen Bands der sogenannten Hamburger Schule unterschieden hat: Wo die anderen sich einen Dreck um den Rhythmus scheren, um ihre Botschaft von der Schlechtigkeit der Welt zu vermitteln, lassen Die Sterne von Beginn an ihre Liebe zum Groove erkennen. Die Geradlinigkeit, mit der sie auf dem Album "24/7" (in den kommenden Tagen live in Österreich; unter anderem kommenden Freitag, ARGEkultur, Salzburg) in die Disco marschieren, erstaunt aber doch. Da rollen die Bässe. Es funkelt das Schlagwerk und Hirn und Beine geraten in Bewegung.

Das muss einen nicht wundern. Disco, dieser Ort gilt ja nur Ignoranten als bloßer Vergnügungstempel. In der Popgeschichte war die Disco, die subversive Macht eines pulsierenden Rhythmus', aber der Platz der Toleranz und des Verständnisses für Unterprivilegierte. Vom Randständigen in der Mitte der Gesellschaft berichtet Sänger Frank Spilker seit 1993 auf "24/7" in gewohnter Weise, wenn er die "tausend Leichen in der Stadt der Reichen" und die "Depressionen in der Hölle" schildert. "Eine ästhetische Veränderung, kein Neuanfang, keine Revolution", beschreibt Spilker das neue Album. Als erhellendes Prinzip - bezogen auf die Tanzbarkeit, aber auch auf die Haltung zur Gesellschaft - gilt eine Textzeile: "Ich wechsle den Schritt, ich mach nicht mit."