ARGEkultur Logo
Kritik • 30.04.2010 • Christian Luckner, Chiemgau Online

Attwenger: Volksmusik, einfach nur Volksmusik

Linzer Duo Binder und Falkner zeigt sich in der "ARGEkultur" in Salzburg mit seinem Nebenprojekt "Die Goas" viel ruhiger als erwartet.

Attwenger stehen eigentlich für einen durchschwitzten Abend, bei dem zu einer Mischung aus Volksmusik und elektronischen Beats wild getanzt wird. Das hatten sich wohl auch viele Besucher am Mittwochabend in der "ARGEKULTUR" in Salzburg erwartet, auch wenn nicht Attwenger, sondern deren Nebenprojekt "Die Goaß" angekündigt war, das praktischerweise aus den gleichen beiden Musikern besteht wie Attwenger. Was die Zuschauer bekamen, war ein recht lustiger, aber irgendwie ganz anders gearteter Abend. Die Enttäuschung hielt sich trotzdem in Grenzen. Markus Binder und HP Falkner verstanden auch so ihr Publikum bei Laune zu halten.

Schon beim Betreten des Saales stutzte der Konzertbesucher: Es standen jede Menge Stühle herum. War man in der richtigen Veranstaltung? So ähnlich ging es scheinbar auch HP Falkner, der gleich zu Beginn meinte, dies sei eigentlich eine Tanzveranstaltung. Den Mut, dieser Aufforderung nachzukommen,hatten aber nur ganz wenige - und das auch erst im zweiten Teil des Konzerts.

Es war ein interessantes Bild: Leute mit Baseballkappen oder anderweitig alternativ gekleidetes Volk saß da im Saal und hörte sich Volksmusik und altbekannte G'stanzl an. Daraus bestand das Programm, das Binder mit der Basstuba (man merkte, dass er mittlerweile wohl eher selten mit der Tuba und fast nur noch mit dem Schlagzeug arbeitet) und Falkner mit der steirischen Harmonika präsentierten. Polkas und Zwiefache - jede Volkstanzgruppe hätte ihre wahre Freude gehabt.

Bei einem Attwenger-Konzert ist die Basis auch keine andere. Aufgemischt mit elektronischen Beats erhalten dort die endlosen Musikschleifen Falkners, untermalt vom hämmernden Schlagzeug Binders, aber einen fast tranceartigen Charakter. Damit und mit ihren zwischenzeitlichen Ausflügen in den Punk fangen Attwenger das Publikum ein, zwingen es praktisch zum Tanzen und lassen es normalerweise den ganzen Abend über nicht mehr los.

Am Mittwoch in Salzburg gab es auch einige solcher Momente, nur leider saß das Publikum (bis auf die erwähnten Ausnahmen). Außer einem verstärkten Wippen mit den Füßen oder einem ab und zu aufwallenden Klatschen gab es da nicht viele Ventile. Und selbst das Klatschen verhallte jeweils nach kurzer Zeit wieder. Zu nah kam man da dem Volksfest oder dem "Musikantenstadl", und das passt eben für jemanden, der alternativ sein will, nicht so ganz.

Auch Falkner schien diesen Widerspruch zu spüren. "Das ist unsere erste Sitzveranstaltung. Ich hätte nicht gedacht, dass es mal so weit kommt", meinte er schmunzelnd. Wirklich aus der Ruhe bringen ließ er sich aber davon nicht. Das Publikum erwies sich als recht geduldig und offen, sich auch mal Volksmusik anzuhören. Für einen genialen Abend fehlte der Mut, die Stühle wegzuräumen, den in Jahrzehnten oder Jahrhunderten bewährten Melodien ihr Recht zuzugestehen und zu tanzen. Die Zuhörerschaft gab sich mit gekonnt vorgetragenen G'stanzln, der musikalischen Virtuosität Falkners und dem hintergründigen Humor des lakonischen Auftritts der beiden Linzer zufrieden.