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Kritik • 05.05.2008 • Clemens Panagl, Salzburger Nachrichten

Westi, Che und KHG

Recycling macht Sinn - und Spaß: Kabarettist Thomas Maurer las am Freitag in der ARGEkultur Kolumnen zur heimischen Politik der vergangenen sieben Jahre.

In puncto Recycling-Bewusstsein sind österreichische Kabarettisten vorbildhaft. Stermann & Grissemann führen derzeit in der "Deutschen Kochschau" ihre via YouTube legendär gewordenen ORF-Auftritte in "Dorfers Donnerstalk" einer Zweitverwertung auf der Bühne zu. Josef Hader spielt (gelegentlich) noch immer Hader (29. 5., Oval). Und Thomas Maurer verwertet gleich zweifach: Seine Kolumnen, die er zwischen 2000 und 2007 für den "Kurier" verfasst hat, sind seit Herbst in Buchform nachzulesen ("Der Wendekreis der Wende", Czernin Verlag). Und in seinem aktuellen Bühnenprogramm "Papiertiger" rezitiert er wiederum ausgewählte Satiren aus dem Buch. Am Freitagabend gastierte der Kabarettist in der ARGEkultur.

Ob bei der Wiederverwertung wertvolle Inhaltsstoffe verloren gehen können? Nicht, wenn der Recycling-Fachmann Thomas Maurer heißt. Ganz leicht ist die Vorgabe ja nicht: Satiren sind zeitgebunden, viele von Maurers Kolumnen zielten bei ihrem ersten Erscheinen auf die schwarz-blaue Koalition. Erinnert sich aber überhaupt noch jemand an Kurzminister Michael Krüger? Oder an Monika Forstinger? Ein bisschen "Wickie, Slime und Paiper"-Erinnerungsarchäologie musste da in der ersten Hälfte schon betrieben werden. Maurer tat das auf der Bühne mit spontaner Schlagfertigkeit und zugleich mit derselben verbalen Zielsicherheit, die auch Maurer, den Kolumnisten auszeichnet.

Westi, Strache (der, wie Maurer dokumentierte, auf FPÖ-T-Shirts der Zeit auch als revolutionsnaher Stra-CHE im Guevara-Look zu kaufen war) und Karl-Heinz Grasser: Dass Politik auch jenseits ihres aktuellen Zeitwerts ihren Unterhaltungswert bewahren kann, demonstrierte er danach als theatralisch versierter Vorleser. Recycling macht nicht nur Sinn, sondern auch Spaß. Thomas Maurer machte es eindrucksvoll vor.