ARGEkultur Logo
Kritik • 15.11.2010 • Eva Pittertschatscher, Salzburger Nachrichten

Gekommen, um zu bleiben

Performance. Das Festival "Open Mind" in der ARGEkultur zeigte eine Produktion mit Flüchtlingen.

Es ist Freitagnacht. Auf der Nonntaler Brücke stürmen neun jugendliche Asylanten in Kapuzenpullovern von einer Seite auf die andere. Autos hupen, Scheinwerfer leuchten auf. Dicht gedrängt stellen sich die Burschen im Spalier auf, mit Blick in Richtung Altstadt. Sie stehen still, bis sie schrille Pfeifsignale zum Weitergehen anweisen. Nächste Stationen sind das Justizgebäude und der Kajetanerplatz. Willkommen auf dem Spielfeld!

"Auswärtsspiel" heißt die Performance der kolumbianischen Regisseurin und Choreografin Lina Venegas mit Flüchtlingen, die am Freitag in der ARGE stattfand. Neben "(Fast forward) and its melancholic rewind" von Georg Hobmeier ist die Produktion "Auswärtsspiel" ein Schwerpunkt des Festivals "Open Mind". Ein konstruktiver und offener Dialog über gesellschaftspolitische Themen ist ein Ziel des Festivals. "Flucht und Freiheit" heißt das diesjährige Motto.

Statements an diversen Orten außerhalb des Kulturzentrums sind bedeutender Teil des "Auswärtsspiels". Die Wanderung steht für den Migrationsprozess. "Die Asylanten sollen damit Teil der Öffentlichkeit werden", erklärt die Produktionsleiterin Cornelia Anhaus den Grund für den integrierten Rundgang. "Und sie blicken immer Richtung Altstadt, um still zu sagen - hier sind wir."

Auf der ARGE-Bühne ist "alles offen". Die Spieler mischen sich mit dem Publikum, dieses erhält Anweisungen und wird Teil des Geschehens. Weg von der Heimat spielen sich die Burschen aus Afghanistan, Somalia oder Ghana in ein fremdes Land. Krieg in der Heimat oder die Hoffnung auf mehr Möglichkeiten in Österreich sind Gründe für die Flucht aus der Heimat. Die Asylanten schreiben ihre Wünsche für die Zukunft auf und ihre Erinnerungen an die Vergangenheit. An der Grenze warten sie auf eine Entscheidung. Ziel des Spiels ist es, den Zielort zu erreichen und dort zu bleiben.

"Ich will mit dem Stück unterschiedliche Ebenen treffen", sagt Regisseurin Lina Venegas. "Und ich habe Interesse daran, dass die Flüchtlinge auf der Bühne sind. Es ist ein politisches Statement von Migranten in Österreich, die Gefühle werden körperlich ausgedrückt", erläutert Venegas, die seit über sieben Jahren in Österreich lebt. "Die Art der Performance ist kräftig und das Statement körperlich intensiv", erklärt sie den Grund, warum sie ausschließlich Burschen für ihr Stück ausgesucht habe. Außerdem sei es vielen Frauen in ihrer Kultur nicht erlaubt, sich zu bewegen und zu tanzen. Cornelia Anhaus: "Das Negative soll verschwinden und es soll gezeigt werden - wir sind hier und wollen hier bleiben."