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Kritik • 04.02.2011 • Florian Oberhummer, SVZ

Salzburger MotzArt-Festival: Andreas Rebers "Gegenbesuch"

Panier-Kurs im Land der Opfer

In Zeiten, da sich die großen Satiriker Deutschlands wie Dieter Hildebrandt oder Georg Schramm immer rarer machen, deren legendärer "Scheibenwischer" zur Resterampe "Satire-Gipfel" verkommen ist, markieren Bruno Jonas und Andreas Rebers die letzten Bollwerke gegen die Comedy- Beiläufigkeit. Nun: Selbst Ersterer hat sich bereits mit den Comedians Monika Gruber und Rick Kavanian TV-fusioniert, und Rebers, der vielleicht böseste unter der schwarz-(rot-)gelben Sonne, musste sich unlängst an ähnlicher Stelle an den unsäglichen Schenkelklopfern des Beckenbauer- und Bohlen- Imitators Matze Knop messen.
Da liegt die Flucht nach Österreich nahe, hat Andreas Rebers doch schon in seiner Jugend mit dem Petzner-Marcel und dem Phaeton-Führer in Kärnten gecampt. "In der DDR waren die Widerstandskämpfer daheim, in der BRD die Täter und in Österreich die Opfer", konstatiert Rebers zu Beginn seines austrofokussierten Programms "Der Gegenbesuch", mit dem Rebers am Mittwoch im Rahmen der 26. Salzburger MotzArt-Woche in der ARGEkultur gastierte.
Panier-Kurs ("Vegetarisches Schnitzel ist einfach panierte Luft") und Skischule auf der Streif hat der "Andi" hinter sich bringen müssen, die Tracht eines von bulgarischen Lkw geplätteten Doppel-Dachses angelegt, um sich unserem Kulturkreis zu nähern. Diese Einführung ins Österreichische wird bald gebrochen, um in galligster Art die politische Unkultur links wie rechts zu geißeln, dem Klum(p)fuß ("Heidibein") von Joseph Goebbels zu widmen oder den grünen "Gurken". Vieles an diesem Abend ist Rebers-Fans bekannt, auch sein elektrischer "Konjunkturmotor" aus dem 808-Drumcomputer oder die Liebeslieder am E-Piano, getaucht in kardinalrotes Licht. Egal: Rebers verstört und unterhält auch beim zweiten Mal. Jubel nach zweieinhalb großen Satirestunden.