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Kritik • 30.11.2011 • Bernhard Flieher, Salzburger Nachrichten

Die Trompete stürmt bis zur Erschöpfung

Stefan Dettl ist die Rampensau, ohne die so et-was nicht ginge. Ohne eine solche Rampensau wäre das, was La-BrassBanda machen, zwar auch staunenswert der hohen musikalischen Qualität wegen. Diese Qualität aber würde ohne Zeremonienmeister Dettl nicht mit einem schier beängstigend massiven Energieschub von der Bühne in die Leute fahren, würde nicht vom ersten Moment an dauernd einschlagen wie der sprichwörtliche Blitz. An beiden Abenden im vollen Salzburger republic war zu beobachten, womit sich LaBrassBanda zu einer der stilistisch bedeutendsten, jedenfalls aber zu einer der auf der Bühne besten Bands des Moments gemacht haben: Einfallsreichtum, Können und Kraft.

Fünf Herren aus Bayern sind das, die Blechgebläse alpenländischen Zuschnitts, klassische Ausbildung, Punk-Raserei, Techno-Lust, Popstar-Attitüde mit Könnerschaft zu ungebremster Tanzbarkeit verwandeln – egal ob in Wirtshaussälen oder riesigen Hallen (am Sonntag endet ihre Tour vor 11.000 Besuchern in der Olympiahalle München).

Zwei Jahre hatte er für das Projekt LaBrassBanda veranschlagt, sagte Stefan Dettl vor zwei Jahren. Aber sie werden keine Ruhe geben, so wie sie das auch im Konzert nicht tun, bis der Letzte im Saal in Bewegung ist zu Trompeten-Techno und Pop-Polka.

Es macht den Herren auf der Bühne sichtlich Spaß – und dem Publikum sowieso. Die Besucher folgen der Band in ausgelassener Freude auf deren rasend schnellen Wegen. Dementsprechend punkig geht es zu. Hektisch und energisch drängen die Stücke nach vorn. Meist sind sie bestimmt durch die beiden Melodieinstrumente Trompete (Dettl) und Posaune (Manuel Winbeck) und die solide Rhythmusgrundlage, die von Schlagzeug (Manuel da Coll), E-Bass (Oliver Wrage) und Tuba (Andreas Hofmeir, der sich oft zu abenteuerlichen Solotrips aufmacht) herrührt. Funky kommen die Melodien daher. Sexy und freiheitsliebend ist das und immer ein Sound, zu dem alle gut tanzen können. Das bedeutet freilich nicht, dass sich LaBrassBanda mit massentauglicher Einfachkost begnügen. Eher das Gegenteil ist der Fall. Komplex und virtuos ist, was hier geblasen wird.

Die Vermittlung aber – vor allem durch die ruhelos werkende Rampensau Dettl – ist unprätentiös, unkompliziert und unverstellt. Hier wird keine Show abgezogen und nicht getrickst, sondern aus tiefstem Herzen musiziert.

LaBrassBanda stehen an der Nahtstelle zwischen Popmusik und Wurzeln, die weit in die Tradition der Region reichen. Weil sie das mit großer Intensität tun, treibt es den Schweiß heraus. Aber ein solcher Auftritt ist eben nicht nur ein Fest für die Tanzwut, Klar wird, dass jede Kultur ihren Platz hat, dass der Platz aber erst richtig heiß wird, wenn er zum Treffpunkt wird, an dem die Kulturen kochen und brodeln, bis ein neues Süppchen entsteht.