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Kritik • 06.04.2009 • Karl Harb, Salzburger Nachrichten

Tanz als Körpersprache

Performance-Parcours. Die 19. Salzburger Ostertanztage und Tanzimpulse präsentierten zum ersten Mal eine "Lange Nacht des Tanzes".

Offenbar ist die Bezeichnung "Lange Nacht" ein gutes Zeichen. Ob Museen, Wissenschaft, Kirchen oder - am Freitag in der Salzburger ARGEkultur - Tanz: Wer eine "Lange Nacht" verspricht, darf sich überdurchschnittlichen Zuspruchs sicher sein.

Also waren die Schauplätze (abwechselnd der Saal, das Studio und zuletzt auch noch der Rote Salon) ab 20 Uhr bestens frequentiert und selbst gegen Mitternacht noch von einer erklecklichen Zahl Interessierter beachtet, als die schon gut eingeführten vorösterlichen Performance-Tanztage (Leitung: Helene Weinzierl) nun zum ersten Mal eine vielteilige Übersicht über Möglichkeiten aktuellen Tanze(n)s boten.

Binnen kurzer Zeit wurden nach einer Ausschreibung 250 Bewerbungen für diese Nacht eingereicht, sieben ausgewählte Kurzproduktionen von maximal 20 Minuten Spieldauer konnte man auf dem Freitags-parcours kennenlernen.

Informativ und aufschlussreich war dabei die Spannweite des Gebotenen. Es gab das expressive "Erzählballett" ebenso wie Solo-, Duo- oder Ensembleetüden oder die sperrig-spröde Konzepttanzkunst.

Für das erste Modell stand Editta Braun mit dem 1. Jahrgang des Institute for Dance Art (IDA) der Linzer Bruckner-Universität. Brauns junge Tänzerinnen und Tänzer erzählten unter dem Titel "kalt" von kollektiven Urgefühlen: dem Aufgenommen-Sein in der Gruppe, dem Ausgestoßen-Werden, der Isolierung, der sozialen Kälte. Sie taten das mit wirksamen, theatralisch klar einsichtigen Mitteln.

Kein größerer Kontrast war da denkbar als jener zu Yuri Correa Vivars sprödem Diskurssolo, das wie Theoriesätze vorgelesene "Formen des Fliegens" in kurze, fast bewegungslos auf dem Stand vollführte, völlig abstrakte Körperskulpturen übersetzte. Die Produktion des Tanzquartiers Wien: eine Art Schau-Denken.

Mit gelassener, heiter-komischer Anmut erzählten hingegen fünf Teilnehmerinnen eines Coaching Projekts der Salzburger Ostertanztage in fließend den Raum beschreibenden Bewegungen von der Wechselwirkung zwischen Musik und Körper. Griffiger Anlass: eine Arie der Königin der Nacht aus Mozarts "Zauberflöte".

Buchstäblich "spring-lebendig" hüpfte davor Adriana Cubides eine Zeit lang sogar im Freien, außerhalb des Studios, für das Publikum einsehbar, unentwegt quasselnd um die Frage, ob nicht das Nichts doch auch etwas sein könnte - so ziemlich das Komischste dieser kurzweiligen Tanz-Performance-Reise.

Die zum 19. Mal durchgeführten Ostertanztage machen Salzburg noch bis Donnerstag zu einem anerkannten Ort der Begegnung mit aktuellem Tanz. Am Mittwoch um 20.30 Uhr zeigen zwei der Dozenten, Peter Mika und Olga Cobos, in der ARGEkultur eine körperskulpturale Performance. Thema: das Gefangen-Sein.