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Georg Hobmeier "Errors, glitches and other mistakes in the life of an unredeemed technology lover"

Invasive Performance-Installation zum Thema Mensch - Maschine. Musik: Juan A. Romero.

ARGE medienkunst basics festival 2012 - Eine Kooperation von FH mma, galerie5020, subnet und ARGEkultur.
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basics festival – Eine Kooperation von FH mma, galerie5020, subnet und ARGEkultur.

Einzelne ZuschauerInnen können bis zu zehn Minuten die Kontrolle über die Elektroden und damit Teile des Künstlerkörpers übernehmen, Anmeldung für ein Zeitfenster bitte unter office@argekultur.at oder Tel. +43-662-848784.

„Errors, glitches and other mistakes in the life of an unredeemed technology lover“ ist eine Performance-Installation, in der sich der multidisziplinäre Performer Georg Hobmeier zur Erbauung eines (Lauf-)Publikums mit grundlegenden Fragen der Beziehung zwischen Mensch und Maschine auseinandersetzt.
In der Perfektion eines wohleingerichteten modernen Arbeits- und Wohnhabitats geht er als Forschender in Echtzeit unterschiedlichen Textfragmenten von SchlüsselautorInnen dieser Thematik nach – Gleichzeitig durchpulsen ihn über invasive Elektrostimulatoren erratische Störsignale, die seinen nicht enden wollenden Kommunikations- und Aktionsdrang sabotieren. BesucherInnen können sich bei Voranmeldung nicht nur in Einzelgespräche mit ihm begeben, sondern können dabei auch gleichzeitig die Kontrolle über diese Störsignale übernehmen.
„Errors…“ macht durch den drastischen Eingriff in die Physis des Performers die Beziehung des Menschen zur Maschine mehr als nur explizit. Die unvermeidliche Kontrolle über den Körper durch das Technische, die wechselweise intuitiv zu agieren scheint, manuell von den BesucherInnen gesteuert, malt ein groteskes dystoptisches Bild, welches durch die zunehmend verwüstete Wohnzimmeratmosphäre gebrochen wird.
Die akustische Atmosphäre steuert der Komponist Juan A. Romero bei, welcher als Programmierer die Fäden zwar nicht zieht, aber herstellt. Die technische Infrastruktur der Elektrostimulatoren stammt vom deutschen Ingenieur Frieder Weiss, der sonst Fertigungsanlagen für Bosch und experimentelle Videoprojektionen für Kylie Minogue entwickelt.

„Errors, glitches and other mistakes in the life of an unredeemed technology lover“ ist Teil einer Serie an Performances und performativen Lectures, die Georg Hobmeier seit 2003 beschäftigen.
In dieser setzt sich der Künstler in unterschiedlichen Settings mit dem Zusammenhang von Körper, Kontrolle, Choreographie und Intuition auseinander. Am Anfang standen sich selbst schreibende Choreographieprogramme im Vordergrund („We only do what they are programmed for“, 2003 – 2005), darauf folgte die Untersuchung explizit dystopischer und invasiver Körperkontrolle.
So ist im Kellerlabyrinth „Mymyomayhem“ (2006) ein Muskelstimulationsapparatur Ausgangspunkt für eine Kaskade ikono-narrativen Wahnsinns; „waveform“ (2008) reduziert die Inhalte merklich auf die Eigenreflexion des Menschen ohne voller Kontrolle über die eigenen Physis und lässt den Körper elektrisch, zur Welle werden, während die Muskeln oszillierende Krämpfe durchleben; „seismic body memory“ (2010), eine Kombination aus Vortrag und Performance, analysiert den deutschen Technologiephilosophen Max Bense, konkret einen Text, den er anlässlich einer Nierenkolik verfasste, die ihm den rationellen Verstand raubte und weshalb er am Ende der Schmerzen nur noch mit der Wahrnehmung seines Körpers da stand.
Die neueste Arbeit in diesem Zyklus von „technuitiven“ Arbeiten wird Georg Hobmeier im Rahmen des basics festival zur Uraufführung bringen.

Georg Hobmeier

Georg Hobmeier

Foto © Clemens Kois

Georg Hobmeier wuchs in mittelständischen Verhältnissen im schönen Land Tirol auf. Er absolvierte ein Schauspielstudium am Mozarteum Salzburg und einen Masterstudiengang für Choreographie und Neue Medien an der Theaterschool Amsterdam.
Seit 2000 arbeitet er als Darsteller, Choreograph und Dramaturg an den Schnittstellen von Theater, Tanz, Medien und öffentlichem Raum. Seine Arbeiten umfassen neben Stücken für die Bühne interaktive Medieninstallationen, Computerspiele, choreographische Laboratorien und eine Vielzahl unterschiedlichster Formate im Stadtraum. Zu sehen, hören und erleben waren diese an den folgenden Orten: ICA London, Monaco Dance Forum, Festspielhaus Hellerau, ZKM Karlsruhe, Melkweg Amsterdam, Bayerisches Staatsschauspiel, Festspielhaus Sank Pölten, STUK, dem Stadttheater Freiburg u.v.a. Dabei arbeitete er für, mit, unter oder an der Seite von Anne Bogart, Andreas Wiedermann, Depart, PVC, Tommy Noonnan, Keren Cytter, gold extra, Reinhold Bidner, Frieder Weiss, Henry Vega und zahlreichen anderen KünstlerInnen aus unterschiedlichsten Sparten. Ungestüm überquerte er dabei sämtliche Grenzen, die ihm Qualifikation, gesunder Menschenverstand und die Konventionen der Kunstwelt vorschrieben. Derartigen Tendenzen zum Risiko verdankt er Förderungen, Preise und Stipendien von Land/Stadt Salzburg, bm:ukk, Amsterdams Fonds voor de Kunst, ECF, DAKU, Körber-Stiftung und anderen.
In den letzten Jahren war er vermehrt als Dozent, Produzent und Organisator tätig. Er produzierte u. a. mit gold extra ein Computerspiel über illegale Immigration, „Frontiers“, das im Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe ausgestellt ist, organisierte mehrere Veranstaltungen für das internationale Netzwerk Sweet&Tender und arbeitete für das International Random Film Festival. Er unterrichtete an der Kunstakademie Nürnberg, dem Mozarteum Salzburg, der Folkwang Universität der Künste Essen und hatte eine Gastprofessur an der Royal Academy of Music and Drama in Glasgow.
Im Moment ist er im Rahmen des Kleist-Festival am Maxim-Gorki-Theater als Dramaturg tätig, und recherchiert mit Hilfe eines bm:ukk Stipendiums soziologische, ästhetische und praktische Aspekte performativen Arbeitens in der Stadt.

Referenzarbeiten Georg Hobmeier:

Juan A. Romero

Juan A. Romero

Foto © Juan A. Romero

Geboren in Medellín, Kolumbien, 1982. Juan A. Romero ist Doktorand und wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Musikinformatik an der Hochschule für Musik Karlsruhe. Nach einem klassischen Gitarrenstudium und Musikwissenschaft hat er sich in den Programmierbereich vertieft. Sein Schwerpunkt liegt beim Live Coding (Programmieren in Echtzeit), ebenso ist er mit der Laptopband „Benoît and the Mandelbrots“ sehr aktiv, die u. a. Konzerte am Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe oder beim Laptop Meets Musicians Festival (Venedig) spielte, diversen Ausstellungen, aber auch Live-Stummfilmvertonungen intonierte. Mit einem Spektrum von Ambient zu Experimentell, Noise über Industrial bis zu Tanzmusik für Clubs variiert Juan A. Romero seine Musik.
Durch die Aktivität mit den Mandelbrots ist er es gewöhnt, improvisierte musikalische Strukturen zu erfinden, zu verändern und mit anderen zu vermischen, sowie Klangsyntheseprozesse von der einfachste Generatorenkombination bis zu komplizierte Klangstrukturen innerhalb weniger Minuten zu entwickeln und diese sofort zu implementieren.
Juan A. Romero ist auch in der SuperCollider Community aktiv und hat mehrere sc-tweets (Musikstücke in 140 Charaktere) publiziert. Diese wurden zu verschiedene Anlässen gespielt, wie z.b. dem SuperCollider Symposium 2010 und der ICMC 2011.

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