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Nikolaus Habjan

„Der Herr Karl“ – Helmut Qualtingers Klassiker der österreichischen Nachkriegsliteratur als Figurentheater. Salzburgpremiere.

ARGE kabarett
Nikolaus Habjan am 28.11.2013 um 20:00 Uhr
Foto (c) Sabine Hauswirth

Helmut Qualtinger spielte 1962 den Herrn Karl in den Kammerspielen, eine Figur, die er gemeinsam mit Carl Merz entworfen hatte und die aus dem österreichischen Kabarett nicht mehr wegzudenken ist. In Wien begegnet man dem „Herrn Karl“ in vielen Personen, an unzähligen Orten – der zum Klassiker avancierte Charakter ist allgegenwärtig. Das Schubert Theater hat Qualtingers Text als Puppentheater adaptiert: Nikolaus Habjan schlüpft darin mithilfe seiner Klappmaul-Puppen in die verschiedensten Rollen, die alle zusammen „Der Herr Karl“ sind.

Der Herr Karl ist eine typische Inkarnation des Untertanen. Er enthüllt dem Publikum die Geschichte seines Lebens und den Kosmos seiner Anschauungen. Fünfzig Jahre österreichische Geschichte passieren Revue im Spießerjargon eines kleinbürgerlichen Opportunisten, für den sich jedes Geschehen und jede Katastrophe auf den privaten Sensationswert reduziert. Ob der „Anschluss“ an das Deutsche Reich, ob die Kriegs- und Nachkriegsjahre – der Herr Karl kann sich immer mit den Verhältnissen arrangieren und seine selbstgerecht-bornierte Mentalität kultivieren, die ihn in ihrer Mischung von Ressentiments, Vorteilssucht und Verantwortungsscheu zum Durchschnittsbürger schlechthin stempelt. Eigentlich ist er ja ein armer Kerl, im Grunde eine tragische Figur. Er ist der österreichische Anti-Held par excellence!

Carl Merz und Helmut Qualtinger haben den ständig vor sich hin nörgelnd-philosophierenden Delikatessenhändler „Herrn Karl“ selbst kennengelernt. Es entstand die Idee, daraus ein Theaterstück zu entwerfen, ein Stück, das schließlich zu einem der umstrittensten der österreichischen Theaterszene wurde. Die ambivalente österreichische Seele wurde wachgerüttelt und in ihrem tiefsten Inneren verletzt.

Man wird über den Herrn Karl lachen und weinen, man wird ihn verdammen und bemitleiden, man wird ihn zitieren, man wird ihm – als höchste Bestätigung seiner Gültigkeit – auf Schritt und Tritt begegnen.
Hans Weigel
  • Puppenspiel Nikolaus Habjan
  • Regie Simon Meusburger

Pressestimmen

Der Herr Karl war immer schon der Herr Karl. […] Er ist der Kellner, der Gast, die Bardame – drei lebensgroße Puppen mit verbrauchten Gesichtern, die von Habjan großartig bespielt werden. […] Ein ganzes Stück österreichische Geschichte wird aufgearbeitet, und der Herr Karl ist der naive und altbekannte Wiener, in dem man bald den Opportunisten und Mitläufer erkennt. Ein lustig tragischer, sehr wienerischer Abend, der vor allem von Habjans Spiel lebt.
Sara Schausberger, Der Falter

Die Produktion des Schubert Theaters „Der Herr Karl” (Helmut Qualtinger/Carl Merz), adaptiert als Puppentheaterstück, hat bei dem Theaterfestival „bestOFFstyria 2.10“ 2010 den Publikumspreis mit folgender Begründung der internationalen Jury gewonnen:

Nikolaus Habjan gibt den Kellnerlehrling in einem Volkstheaterstück. Sein „Herr Karl“ säuft, raucht und raunzt sich durch die österreichische Geschichte. Eine Beiselmilieustudie im 20erJahre Look, mit Mikroport-Update, rotem Samt, Kellnerfliegen und Grammophon. Souverän beschwört der Puppenspieler Habjan die guten alten Zeiten, dabei erinnern die Puppen schon mal an Otto Dix. Der Text wird als 50er-Jahre-Stück gespielt und verliert dabei die Brisanz gegen die politische Rechte von heute. Formell und inhaltlich bleibt die Inszenierung auf der nostalgischen Wohlfühlebene, obwohl das Talent des Puppenspielers eindeutig ist!
theaterland.at

Nikolaus Habjan

Nikolaus Habjan
Foto (c) Sabine Hauswirth

Der gebürtige Grazer schloss im Juni 2010 sein Studium der Musiktheaterregie an der Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien  mit der Inszenierung  Gian Carlo Menottis  „The Medium“ mit ausgezeichnetem Erfolg ab.

Bereits mit 15 Jahren sammelte er Erfahrungen mit dem Puppentheater. Durch Neville Tranter perfektionierte er seine Puppenspieltechnik. Zusammenarbeit mit dem Kabinetttheater „King of the Birds / Queen of the Blood“. Für das Opernfestival „Sirene“ entwarf und baute er Puppen für die Kammeroper „Das Gespräch der Hunde“ von C. Dienz. Am Schubert Theater realisierte Nikolaus Habjan seine erste  Puppentheater-Produktion „Schlag sie tot“ und ist seit der Saison 2008/09 neben seiner Funktion als Puppenspieler und Regisseur dort Co-Direktor.

Aktuell ist er in den Puppentheaterproduktionen „Der Herr Karl“, „Becoming Peter Pan – An Epilogue to Michael Jackson“ sowie in der Filmadaption „Freaks“ zu sehen. „F. Zawrel – erbbiologisch und sozial minderwertig“, sein Solo-Stück in der Regie von Simon Meusburger, wurde mit dem „Nestroy Preis 2012“  als beste Off-Produktion ausgezeichnet. Am Burgtheater Wien spielt er in der Shakespeare-Sonette Produktion „Fool of Love“ die von ihm gestaltete Shakespeare-Puppe. Am Akademietheater wird im neuesten Bühnenstück von Elfriede Jelinek „Schatten (Eurydike sagt)“ in der Regie von Matthias Hartmann (Premiere Jänner 2013) die Figur der Elfriede von Nikolaus Habjan gesprochen und gespielt.

Helmut Qualtinger Der Herr Karl

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