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Trans*/Inter* Thementag

Kostenlose Workshops & Vorträge. Anmeldung erforderlich unter office@argekultur.at, Tel. +43-662-848784. Eine Kooperation von HOSI Salzburg und ARGEkultur.

ARGE schwerpunkt ARGE open mind festival
Trans*/Inter* Thementag am 21.11.2015 um 11:00 Uhr
Foto (c) Veronika Zangl

Ziel dieses Thementages ist es, sich den Themen Geschlechtsidentität und -vielfalt aus unterschiedlichen Perspektiven zu nähern und für die Realität zu sensibilisieren, dass Inter* und Trans*Menschen Teil der Gesellschaft sind und diese dafür Rechnung tragen sollte, dass ihnen ein Leben ohne Scham und in Würde ermöglicht wird. Eine moderierte Publikumsdiskussion mit den Künstler*innen und Referent*innen gibt im Anschluss die Möglichkeit, Statements und Fragen zum Gesehenen wie dem gesamten Thementag zu klären.

Die Existenz von lediglich zwei Geschlechtern scheint in der aktuellen gesellschaftlichen Logik unbestritten. Die „Alltagstheorie der Zweigeschlechtlichkeit“ lässt uns glauben, wir seien entweder Männer oder Frauen. Nicht nur für die US-amerikanische Philosophin Judith Butler markiert dieses „Auf-die-Welt-Kommen“ allerdings den Anfang einer Kette von Zu- und Festschreibungen, die mit der freudvollen Botschaft „Es ist ein Junge“ oder „Es ist ein Mädchen“ begonnen wird. Das heißt, das Subjekt wird durch andere „gesprochen“, lange bevor sich ein Mensch selbst als „männlich“ oder „weiblich“ wahrnehmen und erleben kann. Dass dieser biologisch determinierte Dualismus schon längst überholt ist, mag zwar für diverse Minderheiten, künstlerische Aktivitäten und Teile der Queer Studies an Universiäten klar sein, für den Großteil der Gesellschaft gilt dies mitnichten. Menschen, die trans- oder intersexuell sind, werden nach wie vor diskriminiert, zum Teil sozial geächtet und oft sogar nicht nur zu Psychotherapien und Hormonbehandlungen, sondern auch operativen Geschlechtsangleichungen gezwungen, vor allem, wenn es sich um Minderjährige handelt. Das Recht auf (körperliche) Unversehrtheit des Kindes wird mit Füßen getreten, wenn es darum geht, das eigene (intersexuelle) Kind der „sozialen Norm“ unterzuordnen. Auch bei Transidentität geht es seltener um die Schwierigkeiten der Menschen, die sich ein anderes Geschlecht wünschen, als um die des Umfeldes. Und häufig wird ihnen unterstellt, dass ihr Gefühl weniger zählt als das, was andere in ihnen sehen wollen.

HOSI Salzburg intersex solidarity day österreichische gesellschaft für politische bildung

Im Rahmen des Open Mind Festivals „Ich ist eine Andere“ veranstaltet die ARGEkultur in Kooperation mit der HOSI (Homosexuelle Initiative Salzburg) anlässlich des Intersex Solidarity Days 2015 den Thementag „TRANS*/INTER*“ zu Transidentität(en) / Transgender / Intersex(ualität) und Antidiskriminierung.
Identitätsbildung und Geschlechterrollen werden nach wie vor durch soziale und politische Faktoren bestimmt. Menschen, die sich im binären Geschlechtersystem nicht einordnen können oder wollen, haben es schwer, sowohl sich selbst zu akzeptieren, als auch v. a. von anderen akzeptiert zu werden. Sie werden zwar sichtbarer, verunsichern aber damit viele Menschen, die immer noch ganz selbstverständlich davon ausgehen, dass es nur Frauen und Männer gibt und geben darf und dass sich auch alle Menschen im zugewiesenen Geburtsgeschlecht zeitlebens „wohlfühlen“.
Ziel des Thementages ist es, sich den Themen Geschlechtsidentität und -vielfalt aus unterschiedlichen Perspektiven zu nähern und für die Realität zu sensibilisieren, dass Inter* und Trans*Menschen Teil der Gesellschaft sind und diese dafür Rechnung tragen sollte, dass ihnen ein Leben ohne Scham und in Würde ermöglicht wird.
Der TRANS*/INTER* Thementag wird am Vormittag durch Lectures eingeleitet, am Nachmittag erfolgt eine intensivere Auseinandersetzung mit den Inhalten durch vertiefende Workshops. Komplettiert wird der TRANS*/INTER*TAG durch den (optionalen) Besuch der (größtenteils autobiografischen) Performance „Trans Gender Moves“ von Gorji Marzban (Naturwissenschafter*in, Künstler*in und Intersexuell*er), Anthony Clair Wagner (Bildender Künstler und Transsexueller), und Nicole Foucher (die sich noch mit 65 Jahren einer Geschlechtsangleichung unterzogen hat). Eine moderierte Publikumsdiskussion mit den Künstler*innen und Referent*innen gibt im Anschluss die Möglichkeit, Statements und Fragen zum Gesehenen wie dem gesamten Thementag zu klären.

Zielgruppen

Intersex und Trans*Personen, deren Angehörige & Freund*innen, Menschen aller sexuellen Orientierungen, Menschen aus den Feldern Queer & Gender Studies, politisch ehren- wie hauptamtlich Tätige im Bereich der Antidiskriminierung und Chancengleichheit, NGOs und staatliche Einrichtungen (z. B. Kinder- und Jugendanwaltschaft) und allgemein potenziell Interessierte & über den Tellerand-Schauer*innen sowie Pädagog*innen und Multiplikator*innen wie Journalist*innen.

Vortragende TRANS*/INTER* Thementag

Tobias Rasa Humer
Tobias Rasa Humer

Tobias Rasa Humer
wurde 1988 in Linz als intersexuelles Kind geboren und hat – nach einigen damit verbundenen Schwierigkeiten – 2011 durch einen Umzug nach Berlin dann schließlich auch Zugang zu Selbsthilfegruppen gefunden. Seit 2013 ist er inter*aktivistisch tätig: bloggend (zwischi.blogspot.com) sowie als Mitbegründer*in und momentaner Obmensch des Vereins Intersexueller Menschen Österreich (www.vimoe.at). Als Musiker*in seit 2005 in wechselnden Formationen aktiv und lohnarbeitend in der Gastronomie. Außerdem seit 2014 Mitglied im HabiTat – Verein zur Förderung selbstverwalteter und solidarischer Wohn- und Lebensformen.

Johanna Österreicher
Johanna Österreicher

Johanna Österreicher
wurde 1978 als ältester Sohn in Salzburg geboren und ist dort aufgewachsen. Sie wurde schon immer etwas „anders“ empfunden; dies konnte aber lange Zeit weder von ihr selbst noch von anderen eingeordnet werden, und führte so meist zu einem Außenseiter*innenleben, da sie weder bei Jungen noch bei Mädchen dazupasste. Sie war schon immer technikinteressiert und absolvierte 1997 das BORG Nonntal mit einer Spezialisierung auf Informatik. Danach begann sie mit dem Informatikstudium, das sie aber nach drei Jahren zugunsten einer praktischer orientierten Anstellung als Programmiererin abbrach.
2001 outete sie sich als schwul und lebt seit dem in einer Beziehung mit ihrem Lebenspartner. Gleichzeitig entdeckte sie jedoch, dass sie sich in der weiblichen Rolle wohler fühlte und dieses Gefühl wuchs über die Jahre bis sie sich Ende 2013 schließlich als transsexuell akzeptierte und outete. Sie lebt seit Mitte 2014 als Frau und beschäftigt sich intensiv mit dem Thema Trans* und Inter* und engagiert sich in unterstützenden Rollen für Trans*Personen und deren Akzeptanz.

Gabriele Rothuber
Gabriele Rothuber

Gabriele Rothuber
Intersex-Beauftragte und Obfrau der HOSI Salzburg und Obfrau der Plattform Intersex Österreich.
Als Dipl. Sexualpädagogin seit neun Jahren beim Verein Selbstbewusst im Bereich der sexuellen Bildung und Missbrauchsprävention tätig.
Beraterin bei der Courage Salzburg.
Sexualberaterin, Systemische Traumaberaterin und Traumapädagogin.

Anton Wittmann
Anton Wittmann

Anton Wittmann
wurde 1979 als zweite von drei Töchtern in Bayern geboren. Für seine Ausbildung zog er 1995 nach Salzburg, wo er als Bautechniker in einem Architekturbüro arbeitete. Schon früh fühlte er eine Unstimmigkeit zwischen seinem Empfinden und seinem weiblichen Körper aber es dauerte noch einige Jahre bis er verstehen konnte, was die Ursache hierfür war. 2012 outete er sich als transident und lebt seither als Mann.
Seit einiger Zeit engagiert er sich in der Hosi Salzburg im Pink-Bonsai-Team und beim Projekt Schule der Vielfalt. Da ihm gerade in seiner eigenen Schulzeit der offene Umgang mit dem Thema Transidentität fehlte, ist er überzeugt, dass gerade Aufklärungsprojekte, wie z. B. jene der Hosi Salzburg, enorm wichtig sind, um Kindern und Jugendlichen zu zeigen, dass sie mit ihren Zweifeln an ihrer geschlechtlichen Identität nicht alleine sind, und vor allem, dass es ok ist, „anders“ zu sein.
Seit 2015 im Vorstand der HOSI Salzburg als Transgenderreferent www.hosi.or.at

Open Mind Festival 2015 Ich ist eine Andere

Passend zum Thema des Festivals 2015 verwenden wir bewusst nicht das Binnen-I, sondern versuchen mit dem Gender-Star oder Asterisk* alle Menschen anzusprechen – auch diejenigen, die sich im binären Geschlechtersystem nicht einordnen können oder wollen.