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„Nacht der Salzburger Verlage“ - in Kooperation mit dem Literaturhaus Salzburg

Lesung mit Karin Peschka (Otto Müller), Elias Hirschl (Jung und Jung), Christoph Linher (Müry Salzmann) und Elisabeth Klar (Residenz). Im Anschluss Fest.

ARGE lesung Kritische Literaturtage 2017 – Salzburger Buchmesse
„Nacht der Salzburger Verlage“ - in Kooperation mit dem Literaturhaus Salzburg am 24.11.2017 um 20:00 Uhr

Vier AutorInnen präsentieren die Vielfalt aktueller Literatur in Salzburger Verlagen. Die Gewinnerin des Bachmann-Publikumspreises 2017, Karin Peschka, präsentiert ihre kürzlich erschiene und gefeierte Dystopie – auch bei Christoph Linher liegt zunächst alles in Trümmern bevor es wieder bergauf gehen kann. Angst und Hoffnung bestimmt das neue Buch von Elisabeth Klar, beim ehemaligen Poetry Slammer Elias Hirschl wird es überdreht und skurril. Musik vom Kollektiv Tanzbar und Getränke machen aus diesem Abend ein Fest der Literatur. Eintritt frei.

Karin Peschka • „Autolyse Wien. Erzählungen vom Ende“ (Otto Müller Verlag)

Karin Peschka
Foto (c) Dominique Hammer

Wien? Verloren. Wodurch und warum, ist einerlei. Nicht die Katastrophe an sich ist von Interesse, nicht die Ursachen, die dazu führten, dass Wien zur Ruine geworden ist, zur in sich verschobenen, versetzten Stadt. Der Fokus dieser kurzen Erzählungen liegt auf dem, was sich zwischen den Trümmern noch regt. Direkt nach jener Nacht, aber auch Tage, Wochen und Monate später.

Wie geht es denen, die nicht umgekommen sind, wie überleben sie? Die Stimmungen und Momentaufnahmen erzählen von Misstrauen, Angst und Fatalität, aber auch von Hoffnung, Erinnerung, von einer Neuausrichtung. Die vieles bedeuten kann, eben auch die Hinwendung zum Sterben. Was macht die Umkehrung aus uns, wenn das Kaputte die Norm wird und das Ganze zur Ausnahme? Wenn die Bilder, die man aus alten Wochenschaufilmen oder aktueller Kriegsberichterstattung kennt, zur eigenen Heimat werden?

Karin Peschka, geboren 1967, aufgewachsen in Eferding, Oberösterreich, als Wirtstochter. Besuchte die Sozialakademie Linz und lebt seit 2000 in Wien. Arbeitete u.a. mit alkoholkranken Menschen und mit arbeitslosen Jugendlichen, aber auch mehrere Jahre im Bereich Onlineredaktion und Projektorganisation. Gewinnerin des Publikumspreises beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 2017.

Karin Peschka ist die vielleicht aufregendste, ganz sicher aber unwahrscheinlichste und effektivste literarische Newcomerin der letzten Jahre.
Klaus Nüchtern, Falter

Elias Hirschl • „Hundert schwarze Nähmaschinen“ (Jung und Jung Verlag)

Elias Hirschl
Foto (c) Gerald von Foris

Den Zivi nennen alle nur den Zivi, die sogenannten Betreuer in der Wohngemeinschaft für psychisch Kranke, wo er seinen Zivildienst ableisten soll, nicht anders als die sogenannten Klienten. Die Schule hat er hinter sich, vorbereitet hat sie ihn aber nicht auf das, was ihn erwartet. Dass es verrückt zugeht, okay. Aber dass es ihm zunehmend schwer fällt zu erkennen, warum die Betreuer Betreuer und keine Klienten sind, macht ihm zu schaffen. Zumal er bald selbst nicht mehr weiß, wohin er gehört, so sehr läuft in seinem Leben plötzlich alles aus dem Ruder. Nicht zuletzt seine Beziehung zu seiner Freundin, der „anderen Streitpartei“: Er könnte sie umbringen (in seinen Träumen tut er es). Und nur weil er der Zivi ist, heißt das nicht, dass er sein Leben nicht genau wie alle anderen in einer psychiatrischen Einrichtung verbringt.

In diesem aberwitzig einfallsreichen, grandios schrägen Roman sind viele Schrauben locker. Elias Hirschl zieht sie an, bis die Zähne vor Lachen knirschen, und dreht sie dann alle noch ein Stück weiter.

Elias Hirschl, 1994 in Wien geboren, Poetry-Slammer, Schriftsteller und Musiker. Österreichischer Meister im Poetry Slam 2014. Slamtexte und Kurzgeschichten erschienen in verschiedenen Zeitschriften und Anthologien. 2015 debütierte er mit dem Roman „Der einzige Dorfbewohner mit Telefonanschluss“, ihm folgte 2016 sein zweiter Roman „Meine Freunde haben Adolf Hitler getötet und alles, was sie mir mitgebracht haben, ist dieses lausige T-Shirt“. Elias Hirschl lebt in Wien.

Hirschl ist ein bisschen wie Clemens Setz, also sehr gescheit und ziemlich spleenig; was ihn von seinem Grazer Kollegen unterscheidet, ist sein offensiver Humor. Streckenweise liest er sich so überdreht, skurril und brachial komisch wie Monty Python.
Sebastian Fasthuber, Falter
Wenn stimmt, dass Spinner gute Erzähler sind, dann ist Hirschl ein ziemlicher Spinner.
Peter Pisa, Kurier

Christoph Linher • „Ungemach“ (Verlag Müry Salzmann)

Christoph Linher
Foto (c) Müry Salzmann Verlag

Die moribunde Großtante, die schweigsame Pflegehelferin, das Dorf „wie ein vom Rest der Welt gelöstes Binnenland“: Hierher verschlägt es den Rechtsanwalt Maurig auf Einladung dieser Großtante, von deren Existenz er bisher nicht gewusst hat. Obwohl von der Welt- und Lebenserzählung seiner greisen Verwandten mehr und mehr vereinnahmt, beschließt Maurig, seinen Aufenthalt für unbestimmte Zeit zu verlängern. Im Dorf trägt sich Merkwürdiges zu: Wölfe werden gesichtet, ein plötzliches Vogelsterben setzt ein, ein verschrobener Nebenerwerbsbauer demontiert sein eigenes Haus. Derweil beginnt die Großtante zu genesen, entgegen allen Erwartungen.

In dem Maße, in dem sich ihr Zustand bessert, verschlechtert sich allerdings der ihres Großneffen. Was für diesen mit einem Krankenbesuch begonnen hat, wird zum Kampf gegen das Schwinden der eigenen Kräfte, zum Versuch einer Selbstbehauptung, in der die Fragen nach den Bedingungen unserer Existenz mit poetischer Schärfe verhandelt werden.

Christoph Linher, geboren 1983 in Bludenz / Vorarlberg, Germanistik-Studium in Innsbruck bis 2009, danach Lehrer an einer sozialpädagogischen Schule. Seit 2013 selbständig als Texter, Korrektor, Musiker. Literaturpreis des Landes Vorarlberg 2015

Elisabeth Klar • „Wasser atmen“

Elisabeth Klar
Foto (c) Aleksandra Pawloff

Wer ein Jahr in der Antarktis verbringt und die Polarnacht in einer Forschungsstation erträgt, muss Ausdauer und Entschlossenheit haben. So eine scheint Erika zu sein: Die renommierte Bioakustikerin lauscht den Walen, geht auf lange Tauchgänge, sucht beim Aikido die Herausforderung. Kaum jemand weiß, dass sie das alles tut, um eine lähmende Angst zu bekämpfen, die Angst vor einer Welt, die sie zu überwältigen droht. Und dann taucht die Musikwissenschaftlerin Judith, eine junge Frau voller Widersprüche, in Erikas Freundeskreis auf. Als die beiden sich annähern, ahnt Erika: Judith hat sich von jener Macht, gegen die Erika ankämpft, überschwemmen lassen. Vielleicht ist sie verrückt geworden, vielleicht hat sie aber auch einen Gegenzauber gefunden und sich gerettet. Ein bilderreicher Roman, der uns ein großes Gefühl unserer Zeit hautnah spüren lässt: die Angst.

Elisabeth Klar, geboren 1986 in Wien, Studium der Vergleichenden Literaturwissenschaft und Transkulturellen Kommunikation. Sie arbeitet in der Softwareentwicklung und leitet Literaturworkshops für Kinder und Jugendliche. Für ihre Erzählungen hat sie zahlreiche Preise erhalten, u. a. war sie Finalistin des FM4-Wettbewerbs Wortlaut (2013).

Kollektiv Tanzbar

Der Name des Kollektivs ist freudige Verpflichtung: Quer durch alle Musikstile wird das popkulturelle Universum erforscht – Hauptsache tanzbar jenseits aller Genres! Unerschrocken schlagen die 4 Gute-Laune-SpezialistInnen einen Bogen durch die letzten Jahrzehnte der Musikgeschichte: von 60ies zu aktuellen Hits, von Ethno zu Elektroswing und Drum 'n' Bass. Die Eighties finden ebenso ihren Platz wie Punk, Glam-Rock und Italo Disco. Ausgelassene Stimmung garantiert!

www.facebook.com/kollektivtanzbar