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POP UND POLITIK I: Jens Balzer und Kid Pex über Verantwortung

Im Rahmen der Reihe EINMISCHEN!

Text Diskurs Eine Koveranstaltung mit der Körber Stiftung
POP UND POLITIK I: Jens Balzer und Kid Pex über Verantwortung am 17.01.2020 um 20:00 Uhr
Kid Pex © Michael Kendlbacher | Jens Balzer © Barbara Dietl

Der Ton wird aggressiver, auch in der populären Musik. Die Texte werden hasserfüllter, die Musik martialischer. In seinem aktuellen Buch POP UND POPULISMUS. ÜBER VERANTWORTUNG IN DER MUSIK zeigt der Musikjournalist und Autor Jens Balzer an vielen Beispielen - vom Echo-Skandal bis zur Debatte über ‚cultural appropriation' im Pop -, wie schwierig es geworden ist, zwischen Pop und Populismus zu unterscheiden. Und versteht es zugleich, für einen Pop zu begeistern, der mit den Mitteln der Kunst Freiheit und Solidarität feiert.

Als Auftakt der Reihe POP UND POLITIK, mit der wir in loser Folge die Spannungsfelder zeitgenössischer Popmusik vermessen wollen, liest Jens Balzer aus seinem aktuellen Buch und diskutiert anschließend mit dem Rapper Kid Pex. Moderation: Sebastian Linz

Beim Kauf eines Tickets für diese Veranstaltung erhalten Sie 50% Ermäßigung beim Kauf eines Tickets für den ROTEN SALON am 18. Jänner mit EsRAP und Kid Pex.

Zweifellos ist Pop ohne Provokation, ohne das Spiel mit Tabubrüchen nicht vorstellbar. Und diese Freiheit der Kunst darf weder einem moralischen Rigorismus noch politischen Interessen geopfert werden, betont Balzer. Das heißt aber nicht, dass man Verrohung, brutalen Sexismus und explizite Aufrufe zur Gewalt widerspruchslos hinnehmen muss. Vielmehr gilt es, sich über die roten Linien einer jeden Massenkultur zu verständigen.

An vielen Beispielen – vom Echo-Skandal bis zur Debatte über cultural appropriation im Pop – zeigt Jens Balzer, wie schwierig es geworden ist, zwischen populär und populistisch zu unterscheiden. Und versteht es zugleich, für das utopische Element des Pop zu begeistern, der sich „auch heute als ein Medium des Einspruchs gegen eine Gesellschaft“ versteht, „der im populistischen Wunsch nach identitärer Rückvergewisserung – von rechts wie links – das Bewusstsein davon abhandenkommt, dass die Schönheit des Daseins und darum auch der Kunst in der Neugier aufs Noch-nicht-Bekannte liegt, im Blick in das Offene und in die Freiheit.“

Jens Balzer

Jens Balzer lebt in Berlin und arbeitet als Autor und Kolumnist u.a. für DIE ZEIT, Deutschlandfunk, Rolling Stone und den rbb-Sender Radio Eins. Gemeinsam mit Tobi Müller moderiert er den monatlichen Popsalon am Deutschen Theater; er hat als Kurator an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz und den Münchner Kammerspielen gearbeitet und ist künstlerischer Berater des Donaufestival Krems.

Jens Balzer, Pop und Populismus. Über Verantwortung in der Musik
208 Seiten, Gebunden mit Schutzumschlag, ISBN: 978-3-89684-272-5, € 17,-
Erscheinungstermin: 13. Mai 2019, Auch als E-Book erhältlich.

Leseprobe

Kid Pex

Seit 2005 macht der Wiener mit kroatischen Wurzeln die Bühnen im In- und Ausland unsicher. Der ‚Jugoslawiener‘ Kid Pex ist mit seinem ‚Tschuschenrap‘ über die vielen Jahre eine Institution geworden und heute wohl einer der bekanntesten Namen der heimischen Hip-Hop-Szene überhaupt. Längst steht er jedoch nicht mehr nur für das Migrantische im Hip Hop, sondern auch für die gemeinsame politische Rebellion gegen den Rechtsruck im Land. Immer wieder rappt er auf Demos, Kundgebungen und wird in Polit-TV-Diskussionsshows eingeladen. Seine politischen Singles sorgten jedenfalls immer wieder für ordentlich viel Wirbel im ganzen Land: Norbert Hofer twitterte gegen ihn, Ursula Stenzel bezeichnete ihn als ‚grausam‘ und Andreas Gabalier rief sogar Polizei und Anwälte wegen seiner Reimkunst. Kein Wunder, dass ‚Drahdiwaberl‘- und Falco-Bandmitglied Bernhard Rabitsch ihn als ‚Stefan Weber des Raps‘ bezeichnet hat und Aktionist*innen von damals, aber auch der legendäre Hermes Phettberg in seinen Videos zu sehen sind.

Für die einen ist er das ‚linksradikale Enfant terrible‘ der österreichischen Hip-Hop-Szene, für die anderen ein loyaler Genosse, Homie und Rebell, auf den immer wieder Verlass ist: Kid Pex hat nicht nur einmal eine hohe Gage abgelehnt und den Auftritt verweigert, als er erfuhr, dass Rechtspopulist*innen im Publikum sind oder globale Konzerne ihre Finger mit im Spiel haben. Widerstand ist hier nicht nur Programm, sondern auch Lebensstil.

www.facebook.com/kidpexno1
twitter.com/kid_pex

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