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Jutta Ditfurth: "Ulrike Meinhof. Die Biografie"

Lesung und Gespräch. Matinee

ARGE guerilla convention 08 Lesung

„Protest ist, wenn ich sage, das und das passt mir nicht. Widerstand ist, wenn ich dafür Sorge, dass das, was mir nicht passt, nicht länger geschieht.“ (Ulrike Meinhof)

„Konkret“, Anti-Atombewegung, Deutscher Herbst und Rote Armee Fraktion sind untrennbar mit ihrem Namen verbunden, doch wer war diese Frau wirklich, die das theoretische Konstrukt des „städtischen Guerillero“ (Rudi Dutschke) in die deutsche Wirklichkeit überführte?


Im Rahmen des Basics-Festivals. Basics ist eine Kooperation von ARGEkultur Salzburg, FH Salzburg Multimediaart, Galerie5020, subnet.

Sechs Jahre hat die Frankfurter Publizistin und Sozialwissenschafterin Jutta Ditfurth recherchiert, bis aus den unzähligen Mosaiksteinchen eine fast 500 Seiten starke Biographie von Ulrike Meinhof wurde. Mehr als 7000 Archivmaterialien hat die Autorin durchgearbeitet und so ein äußerst differenziertes Bild von Ulrike Meinhof gezeichnet, welches sich durch neue Details in den Lebenszusammenhängen der Meinhof auszeichnet und damit von gängigen Klischees und Denunziationsschriften historisch wertvoll abhebt. „Ich musste erst wieder Sozialforscherin sein, mich reinknien, bei Null anfangen und alles von der Pieke auf: Menschen neu finden, in Straßen gehen, in Dutzende von Archiven gehen, um ein Leben zu rekonstruieren.“

Dabei geht die selbst als linke Stadtverordnete in Frankfurt agierende Ditfurth als präzise Analytikerin und brillante Schreiberin vor, ohne Verklärungstendenzen oder Beschönigungen von RAF-Taten, jedoch auch nicht ohne jene der politischen Verantwortlichen zu dieser Zeit zu nennen. Denn mit dieser Lebensbeschreibung von Ulrike Meinhof legt Jutta Ditfurth auch eine Skizze der deutschen Gesellschaft im Dritten Reich und der jungen Bundesrepublik Deutschland vor. Neben der Tatsache, dass politische Schlüsselpositionen von ehemaligen Nationalsozialisten besetzt waren, wird detailgetreu aufgearbeitet, wie der deutsche „Rechtsstaat“ die RAF zum willkommenen Anlass nahm, Bürgerrechte und demokratische Grundrechte auszuhebeln und unter dem Deckmäntelchen der Terrorismusbekämpfung dem repressiven Teil des Staatsapparates absolut freie Hand zu lassen im Kampf gegen jegliche Opposition.

Ditfurth rollt akribisch Zeitgeschichte von 1934 bis 1976 auf, erklärt das geistige Klima im Nachkriegsdeutschland, als Nationalsozialisten ihre Biografien umschrieben, als der Zeugniseintrag „Du bist Opposition“ Ulrike Meinhof fast das Abitur gekostet hätte. Sie berichtet von Meinhofs Sehnsucht nach Gleichgesinnten und nach Familie, von der Frustration der 68er und auch von erschreckenden Foltermethoden, die sie in JVA-Akten belegt sah.

„Keine öffentliche Figur in diesem Land ist dermaßen unter Legenden, Mythen, Fälschungen begraben wie Meinhof … Je mehr ich mich auf diese Frau einließ, desto vielfältiger und vielschichtiger erschien sie.“
Jutta Ditfurth

Ein spannendes und politisch überaus aufschlussreiches wichtiges Werk, das Jutta Ditfurth in einer „frei erzählenden Lesung“ in der ARGEkultur Salzburg vorstellen wird und durch Frage- und Gesprächsmöglichkeiten dem Publikum die Gelegenheit zur Vertiefung seines Inhaltes bietet.

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