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Presse | Horst Reischenböck, DrehPunktKultur, 7.2.2007

Schwäbische Bausparer

Werner Koczawa mit seinen Vortrag "Der wüstenrote Neandertaler oder wie aus Affen Bausparer wurden" am Dienstag (6.2.) bei der Motzart-Woche in der ARGE.

Eigentlich hat er kein Abitur, auch keinen echten Schulabschluss, zumal ihm mit acht Jahren seine Lehrer attestierten, sie könnten ihm nichts mehr beibringen. Dann aber habe er in der ADAC-Zeitung gelesen, man könne ein Doktorat auch einfach erwerben. Für 15.000 Euro wurde er also Akademiker, einzig mit dem Manko behaftet, dass ihm keine Universität einen Lehrstuhl anböte.

Soweit die Vorgeschichte des heutigen Verhaltensforschers, der im Selbstversuch überprüft, wie sich der wechselweise Genuss von je zwei Pils, Jägermeister, Pommerlunder und Sechsämtertropfen auswirkt. Was die Genforscher erkannt hätten, dass Motten und Flusspferde denselben Duftstoff besäßen, wisse er auch so: Er habe Mottenkugeln und keine Flusspferde im Schrank. "Für mich ist die Seescheide das interessanteste Lebewesen. Nachdem sie einen Platz zum Leben gefunden hat, frisst sie einen Teil ihres Gehirns auf. Ich habe sie deswegen als Wappentier für die Beamten vorgeschlagen!" Was ihm prompt eine Beleidigungsklage einbrachte.

Zu Werner Koczawas Freundskreis gehört der abergläubische Versicherungschef Hermann Kaiser, der seinen Angestellten kein 13. Monatsgehalt bezahlt. Oder der Problem beladene Pfarrer ("53 Prozent glauben nichts, 72 Prozent der Kirchenbesucher sind Japaner und auch der Papst besteht zu 68 Prozent aus Wasser, mutmaßlich Weihwasser!"), für den Selbstmord die perfideste Form von Kirchensteuerhinterziehung darstellt.

Deutschland leidet ja unter Kindermangel: Auf einer Speisekarte wäre die Nation mit dem Seniorenteller zu vergleichen. Das bei 19 Billionen Euro Staatsschulden - selbst bei täglich sechs Richtigen im Lotto, könnte er das nicht bezahlen. Warum es so leicht sei, jedes Mal 43 falsche Zahlen zu tippen, sei überhaupt ein Rätsel. Überhaupt tragen die Phönizier, die das Geld erfanden, Schuld. Bloß: warum so wenig?

Nahezu zwei Stunden lang bekam nahezu Alles und Jeder schwäbisch Dialekt gefärbt sein Fett ab, wobei Werner Koczawa oft nur vordergründig auf die Lachmuskeln abzielt. Herrschte doch kein Mangel an tieferem Ernst der Satire, wie sie beispielsweise gleich die erste der drei willig gelieferten Zugaben prägte: Koczwara schlüpfte in die Rolle eines von der Bank beauftragten Totenbegleiters, dem, zwecks Arbeitserleichterung, der Schuldnerfriedhof für Kunden hinter dem Geldinstitut vorschwebt.

© Horst Reischenböck, DrehPunktKultur