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Nayana Bhat „A Duet. Ein Solo.“

Ein humorvolles Performance-Experiment über Identitätskonstruktionen und kulturelle Missverständnisse. Produced by ARGEkultur.

ARGE tanz ARGE open mind festival
Nayana Bhat „A Duet. Ein Solo.“ am 18.11.2015 um 20:00 Uhr
Foto (c) Bernhard Müller

„A Duet. Ein Solo.” ist eine Reise zwischen zwei parallelen Welten. Eine vertraute Realität und eine andere vertraute Realität, die sich gegenseitig jedoch fremd sind. Die Tänzerin Nayana Bhat bewegt sich zwischen diesen Parallelen – die sich naturgemäß zu keiner Zeit treffen – auf einer beständigen Suche danach, wer sie ist, in Beziehung dazu, wo sie ist. Auf dieser Reise zeigt sie uns die Fragen, mit denen sie konfrontiert wird und die unscharfen, kaum greifbaren Antworten, derer sie habhaft zu werden glaubt.

ARGE produktion

Geboren und aufgewachsen in Indien, lebt Nayana Bhat nun in Österreich. Durch den künstlerischen Prozess, der der Performance zugrunde liegt, versucht sie, ihre kulturelle Fragmentierung zu verstehen. In diesem mühsamen Übergang entdeckt sie, dass sie dabei nicht alleine ist. Jede*r von uns lebt in ihrem*seinem eigenen kleinen Gefängnis: in den Körpern, Stereotypen, Zuschreibungen und Ideen die wir voneinander haben, erkennen wir uns gegenseitig nur unvollständig. Im Streben nach Befreiung aus dieser Gefangenschaft verlieren wir uns immer wieder in Lügen und Wahrheiten gleichermaßen.
Mit dem Solo „A Duet” will Nayana Bhat die Sinnlosigkeit dieser Gefängnisse aufdecken und gleichzeitig die Tragödie der grundlegenden menschlichen Isolation anerkennen; die Ironie, dass wir in unserer Einsamkeit gemeinsam sind.

  • Idee, Konzept, Choreografie, Tanz Nayana Keshava Bhat
  • Lichtdesign, Konzept-Mitarbeit Robert Herbe

Eine Produktion von Nayana Bhat und ARGEkultur mit Unterstützung von Szene Salzburg.

Biographien

Nayana Keshava Bhat (*1985)
ist zeitgenössische Tänzerin und Choreografin aus Südindien. Sie hat eine 10-jährige Ausbildung in klassischem indischen Tanz (Bharatanatyam, Kathak) und arbeitete sechs Jahre lang als zeitgenössische Tänzerin; dabei ist sie in verschiedenen Ländern Europas und Asiens aufgetreten. Bhat kam als ICE-Stipendiatin für zeitgenössische Choreografie nach Salzburg an das SEAD (Salzburg Experimental Academy of Dance). Neben ihrer künstlerischen Arbeit unterrichtet sie verschiedene Formen der Körperarbeit. Wenn sie nicht tanzt, mag sie es, Menschen und die Geschichten, die ihre Körper erzählen zu beobachten. Neben dem Tanz hat Nayana mehrere Jahre als professionelle Journalistin gearbeitet und schreibt auch heute noch gerne über Dinge, die sie beschäftigen.
nayanabhat.com nayanakbhat.blogspot.co.at

Dr. Robert Herbe (*1953)
arbeitet seit über 20 Jahren als selbstständiger Lichttechniker und Lichtdesigner vorwiegend in Salzburg. Im Rockhouse, in der ARGEkultur, im republic, im Musikum und verschiedenen anderen Spielstätten macht er hell, dunkel und bunt. Er arbeitet für Rockcombos, Folkgruppen, Metal Bands, ArtRock Formationen, Nordic Post-TripHop-Indie-Pop-Acts, Jazzensembles und bei Tanzproduktionen, Theateraufführungen, Festivals, Performances, Events. Seine Lieblingsfarbe ist Lee 126 – wenn sie zum Stück passt, oder zum Song, zum Moment. Sein Ziel: so Licht zu machen, dass das Publikum nicht das Licht auf der Bühne wahrnimmt, sondern die Atmosphäre, die Stimmung, das Ganze.

Mission Statement

Seit drei Jahren lebe ich in Salzburg und habe viel Zeit mit Menschen aus verschiedenen Kulturen sowie – natürlich – der lokalen Bevölkerung verbracht. Meine größte Herausforderung war dabei stets der Umgang damit, wie ich als Inderin wahrgenommen werde sowie den damit verbundenen stereotypen Vorstellungen.
Ich wurde neugierig durch diese Erfahrung; hauptsächlich, weil ich nun einmal bin, wer ich bin – und das alles ist, was zählt. Ich empfinde es als eigenartig, wie wir unsere Wahrnehmung unseres Gegenübers dieser Person überstülpen, während ein wirkliches Kennenlernen ihres Charakters und ihrer Erfahrungen – also jener Dinge, die sie wirklich ausmachen – nicht zur Gänze möglich scheint. Die Performance versucht genau diese kleinen, für gewöhnlich unsichtbaren und immer unausgesprochenen Dinge, die unsere Persönlichkeit formen, zu rekonstruieren und somit das Augenmerk auf den Mangel dieser Wahrnehmung in unserer täglichen Kommunikation zu legen.

Kultur bestimmt zu einem Großteil unsere Wahrnehmung. Mit der Distanz zur eigenen Kultur wird die oben erwähnte Diskrepanz zwischen dem, was wir wahrnehmen und dem, was der andere ist, in der Wahrnehmung noch verstärkt.
Wenn meine Umwelt mich immer wieder anders sieht als ich mich selbst wahrnehme, entsteht daraus unbewusst die Frage, wie ich denn tatsächlich so bin?
Um verstanden zu werden, musste ich verstehen, wie mein Gegenüber wahrnimmt, um so mit ihm in „seiner Sprache“ in Beziehung zu treten. Die kulturelle Distanz bot – durch den Versuch der Verständigung zwischen meinen eigenen Wurzeln und dem, wozu ich im Prozess (des Anpassens an eine neue Kultur) werde – Raum für das Entstehen interessanter Dynamiken.
Dieser Konflikt, der auf die Spannung zwischen Kultur und Wahrnehmung zurückzuführen ist, bringt mich zu meinem österreichischen Gegenüber – in diesem Fall Robert Herbe – um so eine Möglichkeit zu schaffen, meine Erfahrungen als in Österreich lebender, aber in Indien sozialisierter Mensch auf die Bühne zu bringen.
Diese Thematik ist gesellschaftlich relevant. Wir alle müssen mit der Unzulänglichkeit der Wahrnehmung des anderen, mit Zuschreibungen und Stereotypen leben, seien sie nun kulturell bedingt oder anderer Natur.
Jede*r von uns ist ein Teil von Gesellschaft; jede*r Einzelne beeinflusst wesentlich ihre*seine Umwelt und vice versa. Dieser Einfluss ist schön und natürlich. Er hat – einmal wahrgenommen und reflektiert – das Potenzial, Bewusstsein zu schaffen, und sich selbst sowie die Umgebung zu bereichern. Im umgekehrten Fall – nicht angesprochen und nicht reflektiert – stellt er jedoch für alle Beteiligten eine potenzielle Quelle von Problemen dar.

Open Mind Festival 2015 Ich ist eine Andere

Passend zum Thema des Festivals 2015 verwenden wir bewusst nicht das Binnen-I, sondern versuchen mit dem Gender-Star oder Asterisk* alle Menschen anzusprechen – auch diejenigen, die sich im binären Geschlechtersystem nicht einordnen können oder wollen.