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„Ab ins Verderben“

Fahrrad-Dumpster-Tour durch Salzburg mit Lukas Uitz. Treffpunkt: „Penny“-Parkplatz (Neutorstr. 63), Endstation: ARGEkultur. Anmeldung erforderlich.

ARGE schwerpunkt open mind festival
„Ab ins Verderben“ am 20.11.2016 um 15:00 Uhr
Foto (c) Daniel Samer

Late Night Shopping nennen es manche. Andere sprechen vom Wastediven, Containern, Dumpstern oder Müllstierdln. Zu all diesen Begriffen finden sich im Internet unzählige Berichte und Videos. Die vielen Bezeichnungen meinen alle dasselbe: das Öffnen von Müllcontainern und das Mitnehmen noch intakter Waren, vor allem von Lebensmitteln, die frühzeitig aussortiert wurden. Im Rahmen des Open Mind Festivals wird per Fahrradtour mit einem Experten die Konfrontation mit den versteckten Abfällen unserer Wohlstandsgesellschaft gesucht.

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1,3 Milliarden Tonnen an Lebensmitteln landen weltweit jährlich im Müll. Das ist rein rechnerisch etwa viermal so viel wie nötig wäre, um das Hungerproblem in der Welt zu lösen.
Durchschnittlich wirft jede/r EuropäerIn und NordamerikanerIn jedes Jahr zwischen 95 und 115 Kilogramm Essen weg, was dem 10- bis 15-Fachen der diesbezüglichen Menge in Teilen Afrikas und Asiens entspricht.

In Österreich sind es jährlich an die 160.000 Tonnen Abfallmenge, die mitbewirken, dass der Lebensmittelabfall mehr zur Klimaerwärmung beiträgt als der gesamte Transportverkehr weltweit. So wird ein Drittel aller klimaschädlichen Gase durch die Lebensmittelerzeugung verursacht.

Umso schwerer liegt es da im Magen, dass nach wie vor viele Supermärkte das weggeworfene Essen gezielt ungenießbar machen, indem sie beispielsweise Chlor über die Mülleimer mit noch essbaren Lebensmitteln verteilen. In Frankreich wurde dies vor kurzem verboten und zumindest für den Großhandel ein Gesetz beschlossen, wonach noch genießbare, aber abgelaufene Lebensmittel gespendet werden müssen.

Österreich und weite Teile des restlichen Europas zeigen sich dagegen weiterhin zögerlich im Hinblick auf die verpflichtende Weitergabe von unverkäuflichen Lebensmitteln an die Zivilgesellschaft. Und auch wenn das „Wastediven“ inzwischen schon einigen ein Begriff ist – wer sich mit Wastediven aktiv im Kampf gegen die Überproduktion engagiert, bewegt sich je nach Region bestenfalls in einer rechtlichen Grauzone, wenn ihm/ihr nicht gar ein kriminelles Delikt vorgeworfen werden kann.

Nach österreichischem Gesetz gilt Müll als „herrenlose Sache“. Wastediven wäre demnach keine Straftat. Allerdings können die einzelnen Bundesländer Zusatzgesetze erlassen. Im Salzburger Abfallwirtschaftsgesetz findet sich ein Paragraph, der das Durchsuchen und Ausleeren von Müll untersagt und dazu festlegt, dass entsorgter Müll in das Eigentum der Gemeinde übergeht. Hausfriedensbruch oder Sachbeschädigung stellen weitere Vergehen dar, die den EssenssucherInnen beim Containern zur Last gelegt werden können. Den Tatort in aufgeräumtem Zustand zurückzulassen, gehört also zu jedem Dive dazu. Auch deshalb, weil man keinen Anlass dafür bieten möchte, dass Müll für Andere unzugänglich gemacht wird.

Für das Open Mind Festival wird Lukas Uitz, einer der Salzburger Pioniere des Mülltauchens, sein Wissen mit Interessierten teilen und eine Tour zu einigen ergiebigen Plätzen der Stadt machen, die sich nicht nur für Dumpster-Neulinge lohnt. Im Anschluss wird das gefundene (Fr)Essen kreativ in der ARGEkultur verkocht, mit tatkräftiger Unterstützung der ChefköchInnen Rebecca Rupert und Dario Hornsteiner. Die TeilnehmerInnen sind dazu natürlich herzlich eingeladen.

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