WOLLEN SIE DAS?

Das Jahresprogramm 2026

Im Februar 2025 urteilt der Oberste Gerichtshof, dass es sich bei einer Briefaktion der Tagespresse im Bezug auf die FPÖ Niederösterreich um eine bewusste Täuschung und eine irreführende und rechtswidrige Veröffentlichung gehandelt habe.

Im Juli 2025 wird Malarina von dem Ex-BVT-Beamten Egisto Ott auf Unterlassung und Schadensersatz verklagt. Grund dafür ist eine zugespitzte Formulierung Malarinas im Bezug auf Otts kontroverse Tätigkeit beim Verfassungsschutz.

Und im August 2025 bestätigt das Oberlandesgericht Wien einen vorherigen Schuldspruch gegen Florian Scheuba wegen übler Nachrede gegen Bundeskriminalamt-Direktor Andreas Holzer. Scheuba hatte sich im Der Standard kritisch im Bezug auf Holzers Rolle bei den Ermittlungen zum Ibiza-Video geäußert.

So unterschiedlich sie auch im Detail sein mögen, ist allen drei Fällen eines gemein: Sie entspringen einem politisch polarisierten gesellschaftlichen Klima, in dem die Kriminalisierung von Satire schrittweise normalisiert wird.

WOLLEN SIE DAS?

Unter dieses Motto haben wir die Kabarett-Abos 2026 gestellt – und es lässt sich leicht erweitern auf andere Programmpunkte des kommenden Jahres.

Denn um ähnliche Themen geht es auch im diesjährigen DIGITAL SPRING. 25 Jahre wird die Wikipedia in diesem Jahr – die Enzyklopädie, die am 10. Januar 2001 online ging, repräsentiert nicht nur den damaligen digitalen wie demokratischen Aufbruchsgeist der 1990er Jahre – sie ist auch das Abbild der großen und oft problematischen Entwicklungslinien der digitalen Welt des vergangenen Vierteljahrhunderts. Dennoch: Die Wikipedia ist heute mit rund 65 Mio. Artikeln und mit hunderttausenden aktiven, anonymen wie ehrenamtlichen Autor*innen ein unverzichtbares Archiv des freien Wissens im World Wide Web.

Doch dieses freie Wissen ist akut bedroht. So trainieren KI-Firmen ihre Large Language Models mit den Open-Source-Texten der Wikipedia und saugen damit Wissen für ihre proprietären Produkte ab. Gleichzeitig nimmt der Kulturkampf von rechts volle Fahrt auf: Infragestellung der Gemeinnützigkeit, Entzug von Finanzmitteln, Enthüllung der Identität von Autor*innen. Daher haben wir gemeinsam mit dem DIGITHALIA Festival am Schauspielhaus Graz und dem HAU 4 – der digitalen Spielstätte des Hebbel am Ufer Berlin – im Herbst 2025 mittels eines Open Calls dazu aufgerufen, digitale Kunstprojekte zum Thema zu entwickeln – und nun sechs Künstler*innen und Kollektive eingeladen. Die Ergebnisse sehen Sie ab März unter dem Titel WORLD WIDE WIKI auf der Website der ARGEkultur und als Teil des Festivalprogramms.

Mit diesem Fokus schließen wir auch an unseren Themenschwerpunkt OPEN MIND FREQUENTLY: KI + ME an, den wir im letzten Jahr begonnen haben und dessen Bogen wir nun mit Arbeiten wie CO LABOR AI+ von Felix Ludwig (Jänner), THE MIRROR PROTOCOLS (Jänner) von den Hungry Sharks, der Wiederaufnahme von LOVE WORK MACHINE von Lajos Talamonti (Juni/Juli) und der verschobenen Premiere von HOLIDAI von gold extra über das ganze Jahr spannen. Eine andere große Bedrohung unserer Zeit ist das Thema von Jakob Schultes und Johannes Brömmels Theaterarbeit DRAUSSEN VOR DER TÜR (NACH W. B.): Krieg. Schulte, der mit der Produktion seine erste freie Arbeit an der ARGEkultur zeigt, wagt einen surrealen wie gleichermaßen bedrohlich aktuellen Zugriff auf Wolfgang Borcherts berühmtes Nachkriegsdrama (1947) und stellt dabei Fragen, die sich nicht länger vor den Türen Europas halten lassen.

Zensur, politische Einflussnahme, KI und Krieg: Man könnte resignieren ob der großen Bedrohungslagen unserer Zeit. Doch halt! Politisch zu denken und zu handeln, bedeutet eben auch: Sorge zu tragen für den Kontext, in dem man lebt und arbeitet – also dort zu wirken, wo das eigene Handeln eine direkte Wirkung entfalten kann. Und dies machen wir nach wie vor mit Engagement und Begeisterung …

Im letzten Jahr haben wir dies zum Beispiel mit der Erarbeitung unseres Awareness-Konzepts getan. LASST UNS EIN SAFER SPACE SEIN – das gilt seit vergangenem Oktober und natürlich auch im neuen Jahr. Und wir haben mit dem beim Salzburger Kinderrechtspreis ausgezeichneten SALZBURGER MANIFEST DER KINDER- UND JUGENDKULTUR – in Kooperation mit Schüler*innen der Musikmittelschule Maxglan 2 – einen Prozess angestoßen, der ebenfalls bis ins neue Jahr reicht.

Denn mit MIC UP! und OUT OF SCHOOL PARTY: DJ TAKEOVER kuratieren die Schüler*innen dieses Jahr zwei Formate – eine Karaoke-Reihe und eine Schuljahres-Abschlussparty –, die ganz ihren im Manifest festgehaltenen Forderungen nach Teilhabe am und Gestaltung des Salzburger Kulturlebens entsprechen.

Teilhabe steht auch im Mittelpunkt weiterer Projekte, die wir im neuen Jahr erstmals umsetzen.
Mit ENTSPANNT IN DIE ARGE bieten wir ab sofort ausgewählte Veranstaltungen als sogenannte Relaxed Performances an. Das Format wendet sich auch an Personen, für die langes Stillsitzen schwierig ist. Beispielsweise Menschen mit Demenz und deren Begleitpersonen, Menschen im Autismus-Spektrum, Familien mit Kindern, Menschen mit Tourette, Menschen mit chronischen Schmerzen usw. Warum wir das tun? Weil wir allen interessierten Salzburger*innen einen entspannten Besuch in der ARGEkultur ermöglichen wollen – auch denjenigen, für die die herkömmlichen Konventionen eines Kulturbesuchs ein Hindernis darstellen. Und auch die Reihe GEMEINSAM IN DIE ARGE, die sich an Menschen richtet, die nicht allein in Kulturveranstaltungen gehen wollen, setzen wir fort.

Für Menschen, welche die Österreichische Gebärdensprache sprechen, wird es im Herbst interessant. Erstmalig werden wir ein Kabarett-Programm – GLEICH von Alfred Dorfer (11. November) – simultan in Gebärdensprache dolmetschen lassen und schaffen damit einen Raum für ein gemeinsames, inklusives Kabarett-Erlebnis.

Globale Fragen stellen, lokalen Impact suchen. Dieses und vieles mehr bietet Ihnen unser Jahresprogramm 2026, das wir hier – wohlgemerkt in Auszügen – präsentieren. Dass nicht jede Veranstaltung, jedes Projekt in aller Ausführlichkeit vorgestellt werden kann, ist der schieren Menge an Menschen, Themen und Formaten geschuldet, die auch dieses Jahr einen bleibenden Eindruck in der ARGEkultur hinterlassen werden. Stattdessen setzen wir Schlaglichter auf knapp anderthalb Dutzend Projekte aus den Bereichen Theater, Tanz, Performance, Medienkunst, Gaming, Musik und Vermittlung, die zeigen, was uns dieses Jahr beschäftigen wird.

Bleibt nur noch zu fragen: WOLLEN SIE DAS?

Wir freuen uns, wenn Sie diese Frage mit JA beantworten …

Zu unserem aktuellen Programm

Detaillierte Informationen können Sie außerdem in unseren Presseunterlagen nachlesen