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Scott Matthew (USA) – support: Marisol Limón Martínez

The quiet noise maker. Der Komponist des "Shortbus"-Soundtracks erstmals in Salzburg.

ARGE konzert

Scott Matthew? Er ist einer dieser ganz wenigen Musiker, die sich durch ihre Musik entblättern, sich öffentlich sezieren, ihren Kern freilegen, und das, ohne je in Larmoyanz zu verfallen. Er macht Leid zu Lied – melancholisch, introspektiv oder dem Leben abgetrotzt – aber rührselig ist es nicht. Wenn seine Stimme weint, so ist er nicht weinerlich. Wenn seine Lieder klagen, so ist er nicht selbstmitleidig. Er entkleidet sein Inneres, das ist alles. Er lässt die Hörer teilhaben, teilnehmen, Teil werden. Das hat mit Wahrhaftigkeit und Dringlichkeit zu tun. Diese Wahrhaftigkeit und Dringlichkeit formt er in Lieder, die purer Magnetismus sind, die staunen machen, die ob ihrer Herzensbildung und Lebenswärme den Hörer zwingen, sich selbst zu bespiegeln. Die es unausweichlich machen, sich an Scotts Wesen und seinem Charakter – und an den von ihm besungenen Wesen und Charakteren – zu messen, sich darin wiederzufinden oder auch nicht.
Zumindest kommt der Hörer nicht darum herum, sich damit auseinander zu setzen. Scott lässt ihm keine Wahl. Diese besondere Gabe hat längst nicht jeder. Scott Matthew hat sie. Leute von seiner Güte werden heute eigentlich nicht mehr gebaut.

Biografisches

Scott Matthew wurde in Queensland/Australien geboren. Er spielte in diversen, kurzlebigen Bands, brach sein Studium ab („I was doing a BA in music but my major was in radio studies. BORING!“) und zog nach Sydney, wo er unter anderem im Kostümfundus der Australien Opera Company arbeitete und die Punk Pop Band Nicotine gründete. Daneben begann Scott erstmals solo, rein akustisch, aufzutreten. So entdeckte er seine Stimme und seine Leidenschaft für tiefgründige, jawohl, Balladen. Auf der Suche nach Neuem folgte er 1997 einem guten Freund nach Brooklyn/NY.

In New York traf er 2000 auf den ehemaligen Morrissey-Drummer Spencer Cobrin. Mit ihm veröffentlichte er unter dem Namen Elva Snow im Jahr 2002 eine E.P, wobei Scott Texte und Gesang, Spencer die Musik beisteuerte. Bei Liveauftritten von Elva Snow wurden die beiden von Scotts heutigem Produzenten Mike Skinner – nicht zu verwechseln mit dem „The Streets“ Produzenten – und dem Bassisten Peter Gingerich unterstützt.

Erste, größere Beachtung erfuhr Scott für die von ihm gesungenen Filmtitel „Lithium Flower“ und „Beauty is Within us“ für die japanische Animationsserie „Ghost in the Shell“, sowie für den ebenfalls von Yoko Kanno komponierten und produzierten Titelsong „Is it real?“ zur Animationsserie Cowboy Bebop.

Die bisher größte Aufmerksamkeit wurde ihm bisher jedoch für den Soundtrack zu John Cameron Mitchells Kinofilm „Shortbus“ zuteil. So komponierte er nicht nur die im Film von Andrew Bond & The Hungry March Band performte Longversion „In the End“ – auch die von ihm vorgetragenen Songs „Little Bird“, „Surgery“ und „Upside Down“ stammen aus seiner Feder. Für sein Solo-Debütalbum sang er diese zum größten Teil neu ein und arrangierte sie um.

Scott Matthew bezeichnet sich selbst als „quiet noise maker“. Über seine Musik verrät dies indes nichts. Vielmehr charakterisiert es, wie er sich selbst als Musiker sieht und wie man ihn auch als Mensch verstehen könnte.

Wer Scott live erlebt hat, ist seltsam ergriffen, vielleicht auch verwirrt. Die Intensität seines Gesangs ist greifbar. Seine Präsenz unterstreicht die entwaffnende Unmittelbarkeit seiner Songs. Seine langjährige Bühnenerfahrung in unzähligen Clubs, Galerien und an den bizarrsten und manchmal wundersamsten Orten, haben ihn zu einem Künstler reifen lassen, der auf sein Publikum zugeht, der zwischen den Songs mit zwei, drei Worten, einer Bemerkung, dem Abend die Leichtigkeit zurückzugeben in der Lage ist.

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