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ARGE in concert

Ländermatch 07 — Indie-Pop aus A und D

Fr.01.06. und Sa.02.06.2007

01.06.07 // Bodi Bill (D)

Bodi Bill ist der Punkt, an dem sich Anfänge zu einer Idee, einer Band verdichten. "No More Wars", ihr Debüt, ist ein raffiniertes Popalbum aus Elektronika, dickem Beat, leidenschaftlichem Songwriting und virtuosem Programming.
Bodi Bill setzen Komposition, Improvisation, Wagemut an die Stelle immer nur noch fetterer Standards. Die Liebe zum Ganzen ersetzt das manische Jonglieren mit Details, und das Wissen um Tanzflächendynamik stellt sich in den Dienst einer unverschämten Schönheit.
"No More Wars" ist ein Höralbum, ein Tanzalbum, ein großartiges Debüt einer großartigen Band in einem richtigen Moment.

Denn wo die Provinz, der Wald, die Suche nach Wurzeln heißer Scheiß sind, haben Bodi Bill mit Reiseberichten und ihrer "Ich ging zurück und sah"-Manier nichts am Hut. "No More Wars" macht Nägel mit Köpfen und schafft neue Verhältnisse, indem es Bewegung und Einkehr, Stadt und Land, Rhythmus und Harmonie an einem Ort zusammenbringt, an dem sie sich nicht nur begaffen können.
Der Sampler schreibt ein Lied. Der Baum klingt tanzbar. Die Stadt streckt ihre Finger nach dem grünen Umland aus - liebevoll diesmal, nicht gierig. Sampling ist so 1984, Komponieren ist so 1741, der Club der Postindustriellen zupft endlich die Gitarre, der Rhythmus zirpt und treibt, und es ist am Ende das wirklich schwere Herz, das den dicksten Beat auffährt.

Überhaupt: Herzmusik, digital. Immer wieder durchbricht große Leidenschaft die angenehme Kühle der glasklaren Elektronik und berührt Herzen und Seelen, die sich gerade so schön unverbindlich den Clubpatterns hingegeben hatten. Dass Bodi Bill dabei auch immer irgendwie Benny Benassi sein könnten, sorgt für flirrende Spannung. Dass das "Sie hören gerade"-Fach aber stets eher "Ease Down The Road", Talk Talk und Henry David Thoreau gehört, macht "No More Wars" zu einer überragenden Platte.

www.bodibill.de